Der Ensemble-Solist
Ensemblesolist – das ist ein Fundstück, ein Ausdruck, mit dem schon vor Jahren ein Kritiker Ulrich Matthes beschrieben hat, und da ist was dran. Solist klingt für Theaterleute ja nicht so angenehm, eher eitel. Da will sich einer nicht fügen und ist sich selbst genug. Musiker hören das anders, und Ulrich Matthes ist sehr musikalisch. Er ist ein überzeugter Ensemblespieler, aber er verschwindet nicht im Ensemble, sondern macht es stark.
Als er 2002 für eine Rolle ans Deutsche Theater kam, war er Gast, und daraus entwickelte sich eine Bindung, sozusagen ein festes Verhältnis, das für ihn und das Haus sehr wichtig ist. Und ungewöhnlich. Denn die gegenteilige Bewegung – dass Schauspieler Ensembles verlassen, um «frei» zu sein für Film und Fernsehen und gelegentlich Theater – beklagen wir seit Jahren. Matthes sagt, er brauche ein Zuhause (das ist ein bisschen sentimental, und das weiß er und geniert sich nicht dabei), und nur einmal hat er wirklich bereut, dass er sich durch Ensemblepflichten hat hindern lassen, etwas anderes zu tun: Er hätte James-Bond-Bösewicht sein können, Bösewicht mit Weltwirkung – damit sich endlich auch erfüllt, was der weiland Kinderdarsteller Uli M., so mit ...
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Theater heute Jahrbuch 2008
Rubrik: Die Schauspieler des Jahres, Seite 112
von Bernd Wilms
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... für Bernd Wilms, den scheidenden Intendanten des Deutschen Theaters in Berlin, ist die diesjährige «Theater heute»-Umfrage unter 37 Kritikern: Zehn von ihnen krönen die Hauptstadtbühne, letztes Jahr noch auf Platz 2, zum Theater des Jahres (sieben sehen Frank Baumbauers Münchner Kammerspiele vorne; auf vielversprechenden dritten Plätzen mit je 3 Stimmen: die...
