Die List des Modernisten
Schnell wird es dunkler auf der Bühne. Der an Schienen hochgezogene weiße Tanzboden, der die Bühne rahmt und in einen White Cube von museumsartigem Zuschnitt verwandelt, verliert seine gleißende Wirkung und wird matt. Tänzer und Tänzerinnen in knöchellangen weiten, schwarzen Musselinröcken postieren sich vor der Rückwand, als seien sie einem barocken Gemälde von Velazquez entsprungen. Eine Videoprojektion taucht die Wand in ein tiefes Blau, ein Himmel in der Dämmerstunde, bevor die Welt im Dunkel versinkt. Von der rechten Seite fliegt ein Flugzeug ins Bild.
Ein Kampfjet im Kriegseinsatz schießt über den Himmel und wird plötzlich langsamer, das Bild scheint einzufrieren, es ruckt und stockt, läuft rückwärts, bis die breiten Flügel des Flugzeugs aussehen wie die riesigen Schwingen eines Raubvogels, der auf der Suche nach Beute langsam am Himmel seine Kreise zieht. «Flow my tears», fließt, meine Tränen, stimmt eine herzzerreißende Stimme das Lied des englischen Renaissancemusikers John Dowland an. Acht Tänzer und Tänzerinnen greifen dazu zu den Pistolen, formieren sich zu vier Duetten und ergehen sich in klassischen Schritt- und Hebekombinationen.
VA Wölfl, Kopf der Kompanie NEUER ...
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