Kampf um Atemluft
Gelächter kann man leicht haben, Heiterkeit schon schwerer. Wer heiter ist, dem gelingt das Leben, wer lacht, vergisst es nur. Shakespeares Lachen ist selten ohne Schwermut, seine Heiterkeit ist ein Trotzdem angesichts von Verlusten. Das wissen beide Inszenierungen – die Bochumer der eigentlich sanften, lyrischen Komödie «Wie es euch gefällt», die Düsseldorfer der eigentlich drallen, derben Komödie «Was ihr wollt». Dennoch scheitert die eine, gelingt die andere.
Projektionsraum der Wünsche: Lost in Arden
Elmar Goerdens Bochumer Inszenierung setzt ganz auf deutliche Symbole: Celia, die gute Tochter des bösen Herzogs, ist an den Rollstuhl gefesselt, Oliver, der böse Bruder des verliebten Helden Orlando, geht am Krückstock. Aber am Ende sind sie beide befreit: Siehe da, Celia kann gehen. Oliver darf sie ohne Krücke heiraten, und die Konfettikanone donnert dazu. Das dickste Merkzeichen ist laubfroschgrün und bühnenfüllend: ein zerbrochenes Passagierflugzeug. (Wahrscheinlich das erste Flugzeug auf der Bochumer Bühne seit Alfred Kirchner 1980 einen veritablen Nahkampfjet, eine Fiat G 91 der Luftwaffe, für seine «Mutter Courage»-Inszenierung auf die Bühne wuchten ließ.) Hin und wieder ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Ein klares Wort zu Beginn: «Das deutsche Theater ist das beste Theater der Welt», sagte Tom Stromberg und meinte es nicht ironisch. Der ehemalige Intendant des Frankfurter TAT und des Hamburger Schauspielhauses, der aktuell das «Impulse»-Festival in Nordrhein-Westfalen leitet, traf damit zwar nicht den Nerv der Sache, aber durchaus einen wunden Punkt. Vier Tage...
Über eine Theateraufführung kann nur schreiben, wer mit eigenen Sinnen und Verstand gegenwärtig war. So dachte man bisher, und so formuliert die Theaterwissenschaft und Theaterkritik ihr leidiges Problem, ein flüchtiges Ereignis analysieren und konservieren zu wollen. Schon der Versuch eines Kritikers oder wissenschaftlichen Beobachters, während der Aufführung...
Seinen «Parsifal» hat er ihn genannt: Thomas Manns Verhältnis zu seinem Roman «Doktor Faustus» war schon während des Schreibens hochemotional. Ein Erlösungswerk sollte es für den Künstler und dessen Leser sein, die Summe eines Lebenswerks, vielleicht gar ein letztes Wort, überpersönlich und zugleich sehr privat, ja intim. Die imaginierte Lebensgeschichte des...
