International: Europäische Gespensterjagd
Europa ist immer noch ein großes Wort, eine große Idee, eine, die vielleicht einmal die Nation als Bezugsraum ablösen kann. Wie steht es um die Idee Europa im Jahr 2019? Danach fragt die mehrsprachige KULA-Compagnie im E-Werk des Weimarer Nationaltheaters.
«EURoPe – Eine Nationalversammlung» nutzt das Jahr 1919 als Brennglas für Vergangenheit und Zukunft: Die Friedenskonferenz von Versailles, die beiden Nationalversammlungen in Weimar und Warschau sowie zahlreiche Anleihen an die antiken Mythen der Europa dienen als Hintergrund für transnationale Ausschweifungen von Robert Schuster (Regie) und Julie Paucker (Text und Dramaturgie).
Die Spieler dieser internationalen Melange kommen aus Deutschland, Israel, Frankreich, Italien, Afghanistan, Polen, Belgien und der Schweiz und bringen ihren persönlichen Europa-Rucksack gleich mit. Viele Zutaten, die zusammen ein schmackhaftes Theater-Gericht ergeben sollen. Neben Alkohol ist Essen die beste Möglichkeit, sich kennen zu lernen und näher zu kommen, entsprechend startet der Abend in Weimar zunächst als Kochshow. Alle versammeln sich hinter einer halbrunden Edelstahlküche, und schon bald zieht der Geruch von angebratenen Zwiebeln durch ...
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Theater heute April 2019
Rubrik: Magazin, Seite 68
von Torben Ibs
Der erste Tabubruch kommt schon nach fünf Minuten. Sesede Terziyan stellt sich im Gorki Theater bei heller Saalbeleuchtung als Elizabeth Costello vor, eine literarische Figur des Schriftstellers J. M. Coetzee. Dieses weibliche Alter Ego des Autors referiert in dem nach ihr benannten Buch in acht «Lehrstücken» über grundlegende Themen des Lebens, darunter auch das...
Putzt euch die Zähne – und hofft, dass ihr den Tag überlebt!», mit diese Appell entlässt Nikita Dhawan die rund 150 Teilnehmenden des zweiten Flausen-Bundeskongresses «The Politics of Art» in den Tag. Das hat man davon, wenn man die renommierte Professorin für Politische Theorie und Gender Studies nach der Rolle von Kunst und Moral in politisch desolaten Zeiten...
Klaus kann eine ganz große Demut vor anderen Leuten haben, vor Werken anderer Menschen, vor künstlerischen Hervorbringungen, nicht nur vor solchen, die Jahrtausende zurückliegen, sondern auch von denen von Zeitgenossen. Unter all dem liegen die poetischen Ströme und Räume von Klaus. Das ist es, was einen wie mich am allermeisten zu ihm hinzieht. Auch das ist schwer...
