Tagung: Wunschbild Regenbogennation
Don’t talk, act!», fordert eine junge Künstlerin die Herren der Theaterleitung des Soweto Theatre auf, die wie viele andere in die Jahre gekommenen Befreiungskämpfer eine eher durch Korruption denn durch politische Erfolge glänzende Elite Südafrikas repräsentieren. In dem erst vor vier Jahren eröffneten Theater mitten in den South Western Townships von Johannesburg (Soweto) entlädt sich der Frust der heranwachsenden Künstlergenerationen, die aufgrund vieler Fehlentscheidungen der Regierung für ihr Schaffen keine Perspektive sehen.
Der Theaterbau selbst verkörpert dieses Versagen als mahnendes Beispiel: Der bunte moderne Prachtbau mit mehreren Theatersälen wirkt wie ein steriler, abgezäunter Fremdkörper, der von der Bevölkerung kaum genutzt zu werden scheint.
Südafrika gilt eigentlich als Vorbild par excellence für gesellschaftliche Transformation: 1994 hat der ehemals rassistische Apartheidstaat sich mit voller Wucht zur Regenbogennation erklärt und kurzerhand die liberalste Verfassung der Welt auf den Weg gebracht. Die Nation ist nicht nur die Hoffnung eines ganzen Kontinents, sondern steht für die Wandlung einer Gesellschaft aus Opfern und Tätern zu vergebenden und ...
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Theater heute Mai 2016
Rubrik: Magazin, Seite 75
von Julius Heinicke
Am 22. März begingen eine Gruppe junger Männer Bombenanschläge am Brüsseler Flughafen und in einer Metro-Station. Sie töteten 35 Menschen, und am Ende töteten sie sich selbst.
Das Kunstenfestivaldesarts erhielt Botschaften von Künstlern und Kollegen aus aller Welt, und als Antwort darauf schrieben wir einen Brief an alle Besucher, die nach Brüssel kommen wollten,...
Wer glaubt noch «Nathan»? Lessings akkuratem Fünfakter von der überlegenen Weisheit einer aufklärerischen Vernunft, die sich über alle Religionen hinweg mit souveräner Toleranz durchsetzt? Dieser aufklärerischen Utopie einer Humanität, vor der alle Menschen gleich sind wie in einer großen Familie, die sich am Ende segensreich um den Hals fällt? Wer könnte solche...
Der Muezzin ruft. Ascheflocken rieseln auf Jerusalem. In der umkämpften Stadt verspricht das nichts Gutes, am wenigsten zu Kreuzzugzeiten. Aber der erste Bühneneindruck täuscht. Sechs Vermummte verrichten friedlich ihr Gebet, und der Ascheschnee ist vorerst Vorbote einer Heldentat: Ein Tempelritter hat ausgerechnet eine Jüdin aus einem brennenden Haus gerettet.
«Nat...
