Lies mal wieder!
Der deutsche Märchenwald ist ein tückisches Biotop; vor allem kommt darin immer alles anders, als man erwartet. In Wilhelm Hauffs «Wirtshaus im Spessart» zum Beispiel, einer Schlingpflanze von Rahmenerzählung, sitzen ein paar schlotternde Gestalten bis nachts um zwei in einer Schänke und erzählen sich aus Angst vor einem Räuberüberfall Geschichten, damit sie nicht einschlafen. Kaum scheint die Gefahr gebannt, der Gruppenwahn erschöpft, da kommen die Räuber tatsächlich. Merke: Auch die blühendste Paranoia schützt nicht vor Überfällen.
Die missliche Räuber-Wendung hat Regisseur Lars-Ole Walburg allerdings weggelassen, sie hätte ihm nicht ins Programm gepasst, das er im gleichnamigen Heft ausführlich erläutert. Sein Märchen-Abend heiße im Untertitel eine «Angst-Expertise», denn er halte die Angst für das «vorherrschende Gefühl in unserer Gesellschaft»: «Angst vor der Zukunft, Angst vor Veränderung, Angst vor Verarmung, Angst, falsch zu handeln. Es gibt eine Verunsicherung – in fast allen Bereichen.» Uns Deutschen sage man eine Lust an der Angst nach, sogar die Amerikaner hätten schon davon gehört und dafür den Begriff von der «German Angst» geprägt.
Die deutschen Angsthasen versammeln ...
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Theater heute November 2013
Rubrik: Aufführungen, Seite 18
von Franz Wille
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