Im Existenzgefängnis

Manfred Mittermayer schreibt eine akribische Thomas-Bernhard-Biografie

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Wer hätte gedacht, dass der legendäre Österreich-Hasser Thomas Bernhard einmal folgenden Satz geschrieben hat: «Mehr denn je ist heute das Brauchtum in unserem schönen Lande notwendig.» Oder diesen: «Solange der Bauer sät und die Bäuerinnen die Kinder einwiegen vor der Nacht mit guten Weisen, solang braucht uns nicht bange zu sein um die Welt.» Das erste Zitat steht in seinem Artikel «Der Advent wird eingeblasen» für die SPÖ-Zeitung «Demokratisches Volksblatt» vom 28.11.

1953, das zweite aus seinem Text «Die Landschaft der Mutter», veröffentlicht 1954 im «Handschreiben der Stifter-Bibliothek». Beide Funde aus Manfred Mittermayers akribischer neuer Bernhard-Biografie belegen, wie tief der ehemalige Salzburger Kaufmannslehrling mit literarisch-künstlerischen Ambitionen im postnational­sozialistischen Bauernkitsch verwurzelt war. Und beide belegen, wie sich Bernhards spätere Österreich-Verachtung auch aus solidem Selbsthass speist.

Mittermayers Zugriff auf Leben und Werk ist so paradox wie ertragreich, weil Bernhard-like. Er behauptet in bester T.B.-Manier, dass auf keinen Fall eine Erklärung von dessen Texten aus der Biografie vorgeschlagen werde – und unternimmt auf 450 hervorragend ...

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Theater heute Dezember 2015
Rubrik: Bücher, Seite 52
von Franz Wille

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