Die Geister unserer Vormieter
Am Anfang wird ein Kinderwagen auf die Bühne geschoben. Am Ende wird eine Tote von der Bühne getragen. Dazwischen liegt ein neues Stück von Jon Fosse, das auch «Das Leben in neunzig Minuten (leicht gekürzt)» heißen könnte. Die Handlung von «Schlaf» ist schnell erzählt: Ein junges Paar bezieht eine Wohnung, in der es Kinder großzieht, alt wird und schließlich stirbt. In die frei gewordene Wohnung zieht wieder ein junges Paar ein, das keine Kinder bekommt; sie trennen sich, der Mann bleibt allein in der Wohnung zurück.
Das ungefähr dreißigste Drama des norwegischen Bühnenminimalisten bezieht seine Spannung aus einer Zeitverschiebung: Die beiden Handlungen finden nicht hintereinander, sondern gleichzeitig statt. Zwei denkbar unspektakuläre Lebensgeschichten werden übereinander gelegt, wodurch sich doch noch szenische Reibeflächen und interessante Situationen ergeben. Das Stück beginnt also damit, dass zwei junge Paare, ohne einander wahrzunehmen, ein und dieselbe Wohnung beziehen. Das eine Paar wirkt harmonisch, das andere macht einen für diese frühe Phase der Beziehung bedenklich genervten Eindruck. Beide Männer überraschen ihre Frauen mit einem Kinderwagen, den sie als Mitbringsel ...
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Kinder sind bekanntlich ein gelehriger Spiegel ihrer Umgebung. Ihre Fähigkeit zur Anpassung, selbst an die brutalsten Verhältnisse, ist gleichzeitig Überlebensstrategie und Verhängnis, wobei die Frage, ob etwas nützlich oder schädlich ist, notgedrungen der Unterscheidung, ob richtig oder falsch, vorangestellt wird. Dass ausgerechnet in Schwaben und Württemberg...
Das Thema des Stücks ist letztendlich das Scheitern, Momente des Scheiterns groß aufgenommen.» So umreißt Roland Schimmelpfennig den Inhalt seines 2002 von Jürgen Gosch am Hamburger Schauspielhaus uraufgeführten Stückes «Vorher/ Nachher». In 51 kurze Auftritte unterteilt, ist das Drama des gefragten mitteljungen Dramatikers ein Szenenkaleidoskop, das mehr als...
Halb elf am Nürnberger Hauptbahnhof hatten wir ausgemacht. Der Schauspieler Andreas Uhse steht vor dem «Info-Center», und von weitem meint man, diese Haltung zu kennen: ein wenig verloren und irgendwie fehl am Platz, allein unter Unzähligen. Der kahle Schädel zuckt immer mal ruckartig wie der Kopf eines aufmerksamen Vogels, die spitze Nase sticht in die Luft, die...
