Nivea forever
Was für eine profane Antwort! Woran Peer beim Onanieren denkt, wollte Miriam wissen. Und was hat Peer gesagt? «Harte Brustwarzen, die nach Nivea riechen.
» Das kann’s doch nicht sein! Onanie, das ist für Miriam die Möglichkeit, vollkommen autonom Glück zu produzieren, mit den eigenen Händen: «Das schönste Gefühl der Welt, sage ich, der einzige autarke Moment in deinem ganzen Leben, Glück, Menschen töten dafür, andere zerbrechen daran, und du siehst Brustwarzen mit Bodylotion und das macht dich glücklich? Glück?!» Es war der Politikwissenschaftler Francis Fukuyama, der 1992 das Ende der Geschichte ausrief: Nach dem Zusammenbruch des Ostblocks, so behauptete er, gebe es keine Widersprüche in der Welt mehr, also weder Systemkämpfe noch Utopien. Die liberale, marktwirtschaftliche Demokratie habe sich für alle Zeiten durchgesetzt. Nivea forever.
Es ist der Theaterautor Thomas Köck, der nun eine Gesellschaft seziert, deren Mitglieder süchtig sind nach Glück, sich aber mit den Glücksversprechen begnügen müssen, die ihnen der Kapitalismus bietet: Konsumgüter, Geld, gesellschaftliche Geltung. Wenn er sie ihnen denn bietet, denn so klar wie 1992 ist das längst nicht mehr. «Jenseits von ...
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Theater heute Oktober 2014
Rubrik: Chronik Osnabrück, Seite 68
von Tobias Becker
Schneller reagieren geht nicht: Nur einen Tag nach Ende des «Phone hacking»-Gerichtsverfahrens, das Großbritannien acht Monate in Atem gehalten hatte, verkündete das National Theatre, es habe parallel zum Prozess ein neues Stück geprobt: Richard Beans «Great Britain», inszeniert vom scheidenden NT-Intendanten Nick Hytner, beschäftigt sich mit eben jenem explosiven...
Es ist ist wie mit Kindern, wenn sie spielen, dass sie gerade eine Prinzessin oder eine böse Hexe sind. Ernst ist es natürlich auch, schließlich musste man als Zuschauer ja das Handy abgeben und wurde wie am Flughafen kontrolliert. Die Strafgefangenen, die in den folgenden vierzig Minuten durch die Zuschauerreihen gehen, können auch Kontakt mit der Außenwelt...
Die letzten Tage der Menschheit sind jetzt auch schon wieder hundert Jahre her. Aus gegebenem Anlass war das Schauspielprogramm der Salzburger Festspiele 2014 monothematisch dem Ersten Weltkrieg gewidmet, und da führte an Karl Kraus’ großem Wiener Weltkriegstheater «Die letzten Tage der Menschheit» (1922) kein Weg vorbei.
Die im Landestheater als Koproduktion mit...
