Lebenslängliche Theaterkerkerhaft
Der Schriftsteller hört in einer bekannten sonntäglichen Rundfunksendung seine Gedichte und fasst seine tiefe Bewegung in die lapidare Feststellung: «Traugott Buhre sagt mir, dass ich doch ein Dichter bin.» So berichtet Thomas Bernhards Bruder, als dieser Traugott Buhres Lesung der Gedichte «In hora mortis» im österreichischen Rundfunk gehört hatte. Das war vor 20 Jahren.
Thomas Bernhards ergriffene Bemerkung, wenige Wochen vor seinem Tod geäußert, beschreibt auf eigentümliche wie präzise Weise Traugott Buhres außerordentliche und seltene Schauspielkunst.
Sein schauspielerisches Denken forschte nach dem Dichter, nach der Botschaft des Dichters, forschte nach dem Kern der Dichtung, nach dem lyrischen wie nach dem dramatischen Herzen eines poetischen Werkes.
Er wäre jetzt, weiß Gott, ein beredter Zeuge in der aktuellen Debatte über Sinn und Unsinn des sogenannten Regietheaters, über den Begriff der sogenannten Werktreue, über das Prinzip der künstlerischen Verantwortung, denn Traugott Buhres Fantasie war nicht willkürlich, sie kam aus der Genauigkeit. In einem längeren Gespräch mit Vera Sturm – es ist ein für das demnächst erscheinende Buch zu einer Thomas-Bernhard-Ausstellung in ...
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