Wohlstandskinder und Obdachlose
Ein versponnener Moderator begrüßt uns zwischen bunten Lampions zum Festival. Echte Asylanten und Flüchtlinge habe man mit viel Mühe nach Basel geholt. Es sei gar nicht so einfach gewesen, eine Sonderausgangserlaubnis für die Ausländer zu bekommen. Aber schließlich seien sich alle einige gewesen: Die haben hart gearbeitet, das haben sie sich verdient. Und an ihren Erfahrungen könnten jetzt schließlich alle teilhaben. Denn Heimat sei Musik, und «diese Heimatmusik» hätten alle Teilnehmer mitgebracht, da könne man sich schon freuen.
Mit einem wirklich bösen Auftakt startet das diesjährige «Fast-Forward. Europäisches Festival für junge Regie» am Staatstheater Braunschweig, zu dem Kuratorin Barbara Engelhardt zum dritten Mal Produktionen aus ganz Europa eingeladen hat.
Regisseur Lorenz Nufer will sich in «Ùzivo Frau Stirnimaa!» mit der Integrations-Politik seiner Schweizer Heimat komödiantisch auseinandersetzen. Die Teilnehmer des fiktiven «World Music 2013»-Festivals singen, wunderbar überzogen, schiefe Flüchtlingslyrik, ganz so wie sich der Durchschnitts-Bürger die armen Ausländer von nebenan vorstellen mag. Unwissend, dass die fünf in Wirklichkeit Wohlstandsverlierer aus der ...
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Theater heute Februar 2014
Rubrik: Magazin: Festival, Seite 68
von Alexander Kohlmann
Die Schüler kommen aus verschiedenen Ländern Schwarzafrikas und des Maghreb, aus China und der Pariser Banlieue, wo sie zusammen zur Schule gehen. Ihre Eltern sprechen oft kein Französisch; einige leben hier illegal. Sie haben ein feines Gespür für die offenen und versteckten Überlegenheitsgefühle ihrer Lehrkräfte und wissen genau, dass ihre Aufstiegschancen...
Als es nach mehr als vier Stunden «König Lear» im Burgtheater doch noch einmal spannend wurde, war die Premiere gerade zu Ende gegangen. Regisseur Peter Stein kam zum Applaus auf die Bühne, und in dem Moment war Hauptdarsteller Klaus Maria Brandauer auf einmal wie vom Erdboden verschluckt. Keine Ahnung, wie er das gemacht hat, aber er ward erst wieder gesehen, als...
Wenn man betrachtet, woraus totalitäre Systeme ihre Kraft bezogen haben, dann war das zuallererst die Zerstörung von bestehenden Sozialbeziehungen.» Diese Sentenz aus Harald Welzers Oppositionsratgeber «Selbst denken – Eine Anleitung zum Widerstand» flimmert zum Auftakt von Tilmann Köhlers Horváth-Adaption «Jugend ohne Gott» in den DT-Kammerspielen über die vierte...
