Frankfurt: Wer tickt am Schönsten?
Wie leicht es doch ist, aufzufallen in unserer (selbsterklärtermaßen) toleranten, offenen Gesellschaft! Ein ungewohnter Laut im Theater, ein Zucken des Kopfes in der U-Bahn, ein unkontrollierter Ausruf am Strand: Menschen mit Tics können ein Lied davon singen. Leises Pfeifen, Zungenschnalzen und Miau-Laute sind der Sound, mit dem «Chinchilla Arschloch waswas. Nachrichten aus dem Zwischenhirn» beginnt, der neue Abend von Helgard Haug (Rimini Protokoll) in Frankfurt.
Er ist die zweite Kooperation von Schauspiel Frankfurt und Künstlerhaus Mousonturm, Stadttheater und Freier Szene, und findet – wie schon Forced Entertainments «Out of Order» 2018 – im bildschönen Bockenheimer Depot statt.
Während der Saal sich also füllt, der heute auch mit einigen Sofas und Sesseln bestuhlt ist («für Leute, die mehr Bewegungsfreiheit brauchen»), tönt es schon. Und es braucht eine Weile, um die Quelle dieses Tönens zu orten, dieses Pfeifens, Klackerns und Maunzens: In einer der vorderen Reihen sitzt ein schlaksiger, schwarz gekleideter Mann, der nun beginnt zu erzählen, dass er selbst es vermeide, ins Theater zu gehen: «Viele Reize, viele Konventionen, viele Regeln», sagt Benjamin Jürgens. Und dann ...
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Theater heute Juli 2019
Rubrik: Chronik, Seite 62
von Esther Boldt
Filme auf dem Theater haben den Vorteil der geschlossenen Erzählung, die das Publikum schätzt, die das Theater, das sich um avancierte Zeitgenossenschaft bemüht, aber hinter sich gelassen hat. Filme auf dem Theater haben den Vorteil, dass das Theater an einem theaterfremden Stoff alle seine vielfältigen Mittel der ästhetischen Brechung linearer Narrativität...
Wer braucht sie noch, die von rassistischen weißen Männern geschriebenen Klassiker? Wie viel künstlerische Freiheit darf sich andererseits politisch korrekte Kunst erlauben? Die Frage nach der Identität ist in den USA derzeit allgegenwärtig und beherrscht auch die Theaterwelt. Eine von Anbeginn an rassistische Gesellschaft bedarf zweifelsohne der Aufarbeitung ihrer...
Sieht ein bisschen so aus, als würden jetzt gleich «Glückliche Tage» beginnen, und im nächsten Moment müsste Winnie sagen: «Wieder ein himmlischer Tag.» Die Schauspielerin Ulrike Arnold sitzt in der Mitte der Bühne des Nürnberger Schauspielhauses, leicht erhöht und eingehüllt in einen seidenen Vorhang, der sich über die gesamte Fläche ergießt und auf allen Seiten...
