Ein ganz anderes Arbeiten
Bernd NoackHerr Zehelein, Sie engagieren sich als Präsident des Deutschen Bühnenvereins sehr für die Landesbühnen. Was fasziniert Sie denn so besonders daran?
Klaus ZeheleinLandesbühnen sind keine Wandertheater, die Gastspiele absolvieren, sondern sie sind Theater für jene Regionen, die nicht über feststehende Theater verfügen. Im Gegensatz zu den Tournee-Theatern arbeiten sie kontinuierlich in den von ihnen bespielten Gemeinden und Städten. Diese kulturelle und künstlerische Kontinuität ist es, die die Landesbühnen auszeichnet und unverzichtbar macht.
Es geht ihnen weniger darum, flächendeckend Kultur zu produzieren, als vielmehr ihren Sinn in der Entwicklung regional und inhaltlich bezogener, bewusster Entscheidungen zu begreifen. Zum Beispiel widmen die Landesbühnen über ein Drittel ihres Engagements Kindern und Jugendlichen. Ich weiß, dass viele an den Landesbühnen Arbeitenden ihr künstlerisches und gesellschaftliches Engagement als etwas Selbstverständliches erachten.
NoackDas klingt alles so positiv, dass man Angst hat zu fragen, ob da nicht doch irgendwo ein Haken ist ...
ZeheleinVorenthalten werden sollen nicht die Umstände, die Bedingungen, unter welchen diese Arbeit ...
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Theater heute Juli 2011
Rubrik: Fahrendes Volk, Seite 13
von Bernd Noack
Ghorban Moinzadeh ist Schauspieler. Er kommt aus dem Iran und hat dort, als es die politischen und gesellschaftlichen Verhältnisse noch erlaubten, sogar Brecht gespielt. Das ist lange, sehr lange her. Über 20 Jahre, die er nun schon in Bruchsal verbracht hat. Hier ist er nach seiner Flucht aus der Heimat auch wieder beim Theater gelandet, an der Badischen...
Nein, in der Haut dieses Mannes möchte man nicht stecken. Dass der Knecht Nikita das arme Waisenmädchen Marinka hat sitzenlassen, dass er im Verbund mit seiner intriganten Mutter und der Geliebten Anisja deren Mann Petr, seinen einstigen Herrn, vergiftet hat, dass er wiederum Anisja das Erbe entwendet und es mit deren Stieftochter Akulina verprasst hat – all das...
Eine dramatische Figur muss nicht unbedingt liebenswerte Züge haben. Aber Robert Keller in Reto Fingers «Haus am See» ist durch und durch unangenehm. Nicht böse – das wäre etwas ganz anderes –, nein, unangenehm. Ein Fabrikant, der seinen Bruder Max als Buchhalter knechtet; der seine Frau demütigt und seiner Schwägerin nachstellt; der eine schwangere Geliebte...
