Zwei Entschleuniger
Der Begriff Entschleunigung, der schon abgedroschen war, bevor er in Mode kam, trifft es nur oberflächlich, was Rosemary Butcher macht. Sie zelebriert Kargheit und Repetition als Alternative zu Redundanz und Beschleunigung. Sie arbeitet dabei mit zwei Elementen, die unserer Zeit widersprechen: der Verlangsamung und der Verdichtung. Weil sie beim strukturellen Denken nach innen lauscht, könnte man sagen – typisch weiblich. Vielleicht nennt sie deshalb ihr jüngstes vierteiliges Stück «Woman And Memory».
Rosemary Butcher setzt strenge formale Kriterien.
Die Form ist die Abstraktion ihres Denkens und Fühlens. Dafür benutzt sie die gute alte Metapher des Reisens. Sie meint das Leben und lässt es tanzen. Elena Giannotti tritt auf der Stelle. Sie tut es im ersten und letzten von vier Teilen, live im Münchner i-camp und im Film. In ihrem ersten Solo «Images Every Three Seconds» hat ihr Charles Balfour ein Lichtviereck auf den Boden projiziert, das ihren Bewegungsspielraum auf vielleicht einen Quadratmeter beschränkt. Sie nutzt nur den Rand. Anders als man es sonst gewohnt ist, geht sie nicht in den Raum. Im Film «Vanishing Point» von Martin Otter ist die Tänzerin ein mühsam wahrnehmbarer ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
- Alle tanz-Artikel online lesen
- Zugang zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von tanz
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
59. Festival d’Avignon. Am Eröffnungstag sitzt der Kulturminister ganz vorn im Ehrenhof des Palais des Papes, um sich den neuen Fabre anzusehen. Die seit zwei Jahren gegen den Abbau ihrer Arbeitslosenversicherung protestierenden Künstler haben Karten für die hintersten Ränge ergattert, rufen von dort: «Minister raus!» Er geht nicht. Die Protestler brüllen weiter....
Er hat mehr Einfluss auf die Tanzszene, als ihm bewusst ist. Erwin Wurm, Österreicher und Künstler. 1991 zog er sich dreizehn Pullover übereinander an. Sechs Jahre später entdeckte Jérôme Bel, dass dieses Übereinanderschichten von T-Shirts in «Shirtologie» auch Tanz sein kann – so, wie Erwin Wurm diesen «Prozess» des An- und Ausziehens eine Skulptur nannte. 1992...
Das muss man Ballettintendant Reid Anderson lassen: Er scheut nicht das Risiko und stellt schon jetzt die Weichen für die Zukunft. Sein Coup: die Ernennung von Marco Goecke zum Haus-Choreografen des Stuttgarter Balletts. Während andere Kompanien nach wie vor auf die Mithilfe von Gästen angewiesen sind, hat das Stuttgarter Ballett damit ab sofort gleich zwei...
