Eine Waschanleitung
Er hat mehr Einfluss auf die Tanzszene, als ihm bewusst ist. Erwin Wurm, Österreicher und Künstler. 1991 zog er sich dreizehn Pullover übereinander an. Sechs Jahre später entdeckte Jérôme Bel, dass dieses Übereinanderschichten von T-Shirts in «Shirtologie» auch Tanz sein kann – so, wie Erwin Wurm diesen «Prozess» des An- und Ausziehens eine Skulptur nannte. 1992 filmte Wurm mit «Fabio» einen anfangs nackten Mann, der so lang T-Shirts, Sockenpaare, Unterhosen, Jacken und Hosen anzog, bis er völlig aufgeplustert die Szenerie wieder verließ.
Sven Drühl, sein liebevoller Kritiker, schrieb in Kunstforum international (Band 141, 1998): «Indem Erwin Wurm die Kleidung von ihrer Funktion löst, sie somit skulpturalisiert, thematisiert er schon durch die bloße Präsenz des Stoffs den ihr zugedachten Träger: den Menschen.» Und so menscheln auch Nicola Mascia aus Italien und sein Partner Matan Zamir aus Israel, beide Performer bei sasha waltz & guests, indem sie ihre Pullis und Shirts und Trainingshosen so lang mit Hilfe der israelischen Choreografin Yasmeen Godder austauschen und die Ärmel und Hosenbeine derart akkurat verknoten, bis man immerzu «Erwin Wurm» denkt. «Abgesehen von der ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
- Alle tanz-Artikel online lesen
- Zugang zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von tanz
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Pasolini nennt ihn einfach einen «Besucher». Bei Silvana Schröder steht «der Fremde» zugleich auch für «das Fremde»: ein Engel, den möglicherweise der Himmel schickt, ein Katalysator vielleicht wie einst bei Cranko, der durch seine Existenz alles verändert, erklärtermaßen aber das Fremde, durch das sich das Stück fokussiert. Irgendwann erscheint Mario Perricone,...
«Lawn» = Rasen. Diese Übersetzung ist geläufig. Dass dieser Begriff aber auch einen Zustand benennt, der den Mangel an Sonne und damit den Rückzug von der Realität in unlogische Denkmuster und Illusionen von offenen Räumen beschreibt, das lernen wir in «Lawn» von drei gestandenen Australiern. Sie haben dieses innere Drama offenbar selbst erlitten, als sie Mitte...
For nearly 30 years, Marie Chouinard’s reputation has soared with dance and performance works that shock and amaze. Looking at photos of her choreography, if perhaps you have never seen the staged dance work, it’s possible to have the impression that you are looking at sculptures, at a kind of crystallization of the gestures.
“Crystallization” also happens to be...
