Wühlen in Archiven
2004 stellte Hal Foster in der Zeitschrift «October» einen «archivarischen Impuls» fest, eine Lust an der Retrospektive, die überall zu sehen war: in der Video- und Medienkunst, der Fotografie, der Installation, der Performancekunst und im Tanz. Es begann der Aufstieg einer Bewegung namens «Re-Enactment». Darunter verstand man bis dahin vor allem volkstümliche Rekonstruktionen historischer Schlachten. Heute bezeichnet es eine Kunstpraxis, in der die künstlerischen Arbeiten von einst neu entdeckt und praktiziert werden.
In der bildenden Kunst setzte sich der Begriff «Re-Enactment» schnell durch. Im Tanz war man zurückhaltender, weil die Wiederbelebung alter Choreografien immer schon gängige Praxis war, nur unter anderen Namen, der «Wiederaufführung» oder der «Rekonstruktion» etwa von «Le Sacre du printemps» 1987 durch Kenneth Archer und Millicent Hodson für das Joffrey Ballet. Solche Rekonstruktionen von Tänzen bezeichnete Helen Thomas 2003 in ihrem Buch «The Body, Dance and Cultural Theory» als eine sinnvolle Restaurierung und Erhaltung von Werken, um die «weißen Stellen auf der Landkarte der Tanzgeschichte zu füllen und eine Kontinuität der Tradition zu ermöglichen».
Ich möchte ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
- Alle tanz-Artikel online lesen
- Zugang zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von tanz
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Seit 1977 leiten Sie die Lola-Rogge-Schule in Hamburg. Ihre Mutter gründete sie 1927 mit dem Schwerpunkt Ausdruckstanz. Von Albrecht Knust übernahm sie 1934 noch die Labanschule. Heute bieten Sie eine dreijährige Berufsfachschulausbildung zum staatlich geprüften Lehrer für Tanz und tänzerische Gymnastik im freien Beruf an. Interessant ist, Sie wollen keinen...
Die Welt kann protestieren, aber es gibt keinen Aufstand, nur Niedergeschlagene. Keine Gegenwehr, nur sich selbst Verletzende. Keine Revolution, nur ein Ungeheuer gebärender Schlaf. Old Europe eben. «Thou shalt not kill», sagt der Tänzer Derryl E. Woods, dann dreht Joanna Dudley die Gasflasche auf, und die Bühnenwelt versinkt in tiefes Koma. Besser konnte er die...
70 Jahre und kein bisschen Weise: Auch im neuesten Beispiel choreografischen Theaters setzt Johann Kresnik eine Nackte in die Torte. Ohne mit der Wimper zu zucken, streckt ein SS-Scherge eine Frau nieder, während andere mit der Kreissäge die Köpfe der Inhaftierten «rasieren». Ungerührt schminkt sich währenddessen Rudolf Höß, Lagerkommandant im Konzentrationslager...
