vortex temporum
So sensibel. So unglaublich behutsam – man fürchtet fast, das feinstoffliche Gewebe, das sich dort auf der Bühne entspinnt, kann die grob-poltrige Realität einer Zuschauerschar kaum aushalten. «Vortex Temporum», ein «Zeitenstrudel», in den Tänzer und Musiker mit überwachen Sinnen, hoch empfindsamen Körpern gesogen werden, hin zu einem Verschwinden, zum Verlöschen des ganz wörtlich zu verstehenden Da-Seins, der Präsenz auf einer Theaterbühne.
Es scheint, als würde Anne Teresa De Keersmaeker derzeit mit jedem Stück zarter.
So überbrachte sie zuletzt in der großartigen «Partita 2», ihrem Duo mit dem französischen Choreografen Boris Charmatz, die humanis-tische Botschaft bereits ganz rein und doch fragil dosiert: ein Paar, das sich tanzend immer mehr findet, sich stützt, hält, trägt – spielerisch wie Kinder, fürsorglich wie zwei Versehrte. Und irgendwann in diesem perfekt einfachen Tanz zu Bachs Violin-Komposition treten die beiden ganz nah ans Publikum und berühren mit präzis choreografiertem Gebärdenspiel das eigene Gesicht: eine fortgetupfte Träne, das Wegpusten einer Wimper von der Fingerspitze, das sanfte Streichen über die Denkerfalte auf der Stirn. Eine so bezaubernde ...
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Tanz November 2013
Rubrik: produktionen, Seite 8
von Nicole Strecker
newcomer_________
michaela deprince
erfüllt sich in jüngster Zeit Traum um Traum. Erst als Tänzerin im Doku-Film «First Position» (tanz 6/13), dann seit Beginn dieser Spielzeit als Mitglied der Juniorkompanie des Niederländischen Nationalballetts. «Mein ganzes Leben habe ich davon geträumt, in einer der klassischen Top-Kompanien der Welt zu tanzen. Es schien...
Sie sind die drittgrößte Kompanie in den Niederlanden und wahrscheinlich die stabilste angesichts der rasch aufeinander folgenden Budgetkürzungen, die holländische Tanzkompanien in den letzten acht Jahren hinnehmen mussten. Introdans aus Arnheim hat all diese Einschnitte – offenkundig nahezu unbeschadet – überlebt. Woher diese Widerstandsfähigkeit? Zum Großteil...
Ein Mann liest seelenruhig ein Buch, während vor ihm eine Frau fast ertrinkt. Doch ist das überhaupt eine Frau? Die langen, knallroten Haare weisen sie eher als Fantasiewesen aus, vielleicht eine Nixe, deren Fuchteln und Wirbeln möglicherweise nicht dem Schrecken vor dem Wasser entspringt, sondern dem Aufbegehren gegen das Landen. Wie soll sie jetzt atmen? Gehen?...
