The Red Shoes
«The Red Shoes» (1948) des Filmemacher-Duos Michael Powell und Emeric Pressburger gilt noch immer als der wirkungsvollste Tanzfilm aller Zeiten. Generationen von jungen Leuten hat er dazu bewegt, eine Ballettkarriere anzustreben. Inzwischen besitzt der Film freilich auch dokumentarische Qualität, gewährt er doch Einblicke nicht nur in die leicht schäbigen Interieurs von Covent Garden und Marie Ramberts Mercury Theatre, wie sie in der Nachkriegszeit – also vor den Tagen nennenswerter staatlicher Subventionen – aussahen.
Vielmehr konserviert er auch den Charme eines noch nicht von Geldgier ruinierten Monte Carlo.
Musical ohne Text
Der Theatermann Matthew Bourne hat den Filmklassiker für seine 1987 gegründete Kompanie New Adventures als Ballett-Drama inszeniert, das sich eng an Powells und Pressburgers Bearbeitung der Märchenvorlage von Hans Christian Andersen hält. Folglich kreist Bournes Version um ein Paar magischer Schuhe, das seine Träger zwingt, bis zur tödlichen Erschöpfung zu tanzen. Die roten Schuhe sind also ein grausames Sinnbild für die erbarmungslose Disziplin, die das Tänzerleben regiert, für die dunkle und schmerzhafte Kehrseite der unbeschwerten Freude am Tanzen. ...
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Tanz Februar 2017
Rubrik: Produktionen, Seite 8
von Mike Dixon
Als der Jesuitenpater Adamus Gertl im Sommer 1678 nach langer Reise aus Österreich den Hafen von Sevilla erreichte, ging es ihm wie vielen Missionaren: Er kam zu spät. Die spanische Flotte hatte bereits abgelegt. Das nächste Schiff nach Amerika sollte erst in einem Jahr auslaufen. So hatte er Zeit, das Leben in der Stadt zu beobachten. Wenig überraschend,...
Die Zeiten haben sich geändert. Die Holzstühle und -tische, Wahrzeichen des deutschen Tanztheaters, sind aus dem Café Müller verschwunden. Ebenso die gläserne Drehtür, durch die man die rothaarige Frau im Geiste noch hereinstöckeln sieht. Bei der Uraufführung im Düsseldorfer tanzhaus nrw lümmeln sich die Paare in weißen Gartenstühlen. Eine Wand im Hintergrund trägt...
Beim «Reigen seliger Geister» in Christoph Willibald Glucks Oper «Orfeo ed Euridice» scheiden sich die choreografischen Geister. Die einen geben der Musik nach und schwelgen im Elysium. Die andern setzen eine minimale Bewegungssprache dagegen, so etwa Joachim Schlömer in den 1990er-Jahren in Basel, wo die Liebe zwar im Gesang siegte, nicht aber im Tanz. Dritte...
