St. Gallen
Beim «Reigen seliger Geister» in Christoph Willibald Glucks Oper «Orfeo ed Euridice» scheiden sich die choreografischen Geister. Die einen geben der Musik nach und schwelgen im Elysium. Die andern setzen eine minimale Bewegungssprache dagegen, so etwa Joachim Schlömer in den 1990er-Jahren in Basel, wo die Liebe zwar im Gesang siegte, nicht aber im Tanz. Dritte kontern regelrecht mit hässlichem Tanz, so gesehen bei Hofesh Shechter, der 2015 in Covent Garden den versöhnlichen Schluss mit wüstem Tanz unterminierte.
Beate Vollack entscheidet sich in St. Gallen für das Elysium und lässt ihre Tänzerinnen und Tänzer als Nymphen in weißen Tüllkleidern über die Bühne tänzeln. Das wirkt ein bisschen wie Monte-Verità-Spätlese und versüßt eine Inszenierung, die durchaus Kanten hat. Dann nämlich, wenn der Chor des Theaters St. Gallen in schwarzer Kleidung und kreideweißen Gesichtern von einer Empore auf der Bühne herab sein Veto gegen Orfeos Eintritt in den Hades geben will. Das ist schaurig schön und deutet auf die Katastrophe hin.
Diese folgt, wir wissen’s, der Erweckung der Euridice auf dem Fuß, weil sie ihrem Orfeo nicht blindlings folgt, sondern nach einem Zeichen der Liebe verlangt. Ein ...
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Tanz Februar 2017
Rubrik: Kalender und Kritik, Seite 48
von Lilo Weber
Genf
Das Ballet du Grand Théâtre de Genève tanzt als Uraufführung «Une autre passion», ein Ballett des schwedischen Choreografen Pontus Lidberg, inspiriert von Johann Sebastian Bachs «Matthäus-Passion». Grand Théâtre de Genève à l’Opéra des Nations, 28., 29., 31. März, 1., 2., 4.–6. April; geneveopera.ch
Gent
Das Ballet Vlaanderen tanzt «Kaash» von Akram Khan,...
Im März: Tanz im Exil
Seit zwei Jahren ist die französische Kulturhistorikerin Laure Guilbert als Gast-Wissenschaftlerin der Europa-Universität Viadrina Frankfurt/Oder und des Centre Marc Bloch auf der Suche nach Material für ihr Forschungsprojekt «Migrant Dancing. Exil und Diaspora der deutschsprachigen Tanzszene 1933 – 1949». Sie ist nicht nur in Archiven fündig...
Ricardo Fernando trägt die brasilianische Sonne im Herzen. Wenn auf seiner Stirn düstere Wolken aufziehen, ist die Lage ernst. Am Theater Hagen ist die Lage ernst: Intendant, Generalmusikdirektor, Jugendtheaterleiter und mit Fernando nun auch noch der Ballettdirektor und Chef-Choreograf gehen zum Spielzeitende (tanz 12/16 und 1/17). Der 46-Jährige übernimmt in...
