tänzerin des jahres
Sie wirkt meist zart und zurückhaltend. Aber sobald sie auf der Klaviatur einer «Kameliendame» spielt, blitzen Sinnlichkeit und Erotik auf
Auf den ersten Blick ist sie unscheinbar zart. Sobald aber Alina Cojocaru zu tanzen beginnt, kann man die Augen nicht von ihr lassen, zwingt ihre Kunst geradezu zum Hinschauen. Zum Hinhören. Mit ihrer ungemeinen Musikalität ringt sie der Choreografie ungeahnte Facetten ab. Formt mit lyrisch fließendem Gestus die Bewegung in ungewöhnlicher Phrasierung immer wieder neu. Auf den Punkt gebracht: Ihr Tanz atmet.
Und steht fest mit beiden Beinen auf dem Boden. Selbst wenn die Geistwesen des romantischen Balletts ihr besonders gewogen sind, ätherisch wäre bei aller Leichtigkeit das falsche Wort, um ihren Tanz zu charakterisieren. Denn schließlich war es die «Giselle», die der heute 34-jährigen Rumänin 2001 am Royal Ballet in London den Durchbruch brachte. Umgehend hatte Sir Anthony Dowell sie nach diesem Debüt zur Ersten Solistin gekürt.
Das Winzermädchen, das trotz Verrat und über den Tod hinaus an seiner Liebe festhält, wurde zur Paraderolle der Ausnahmeballerina, in der sie bis heute in unterschiedlichen Inszenierungen mit Ensembles rund um den ...
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Tanz Jahrbuch 2015
Rubrik: die saison 2014/15, Seite 134
von Irmela Kästner
Es gab beim letztjährigen Berliner «Tanz im August» mit Marcos Moraus La Veronal ein Ensemble, das später als Shooting-Truppe der Saison herumgereicht wurde. Mit Recht. Was Morau in «Siena» mit wunderschönen Tänzerinnen in einem Museumsambiente – Tizians «Venus von Urbino» an der Wand – entfesselte, war so fein anzusehen wie spannend rätselhaft. Zu barocken Klängen...
Für «Insideout», ein Raum-Tanz-Projekt von Sasha Waltz, bei dem die Performer sich selbst inszenierten, erfand Laurie Young eine grandiose Mikroszene: Sie drehte den Kopf zu einem unsichtbaren Gesprächspartner und antwortete: «No, I am Canadian». Indem sie die Frage wegließ («Are you Chinese?»), erschuf sie mit einem Satz, einer Geste einen kompletten Alltagskosmos...
Brigitte Lefèvre, Sie haben am Pariser Opernballett ein Repertoire aufgebaut, das von Pina Bausch bis William Forsythe, von Filippo Taglioni und Pierre Lacotte bis Wayne McGregor reicht. Also von tradition totale bis innovation totale. Dabei war nicht nur fast alles vertreten, was in der Welt des Tanzes Rang und Namen hat – sondern auch jede denkbare emotionale...
