Système castafiore
Philosophie macht Spaß, Tanztheater auch. Das ist das Motto von Marcia Barcellos und Karl Biscuit, den Gründern von Système Castafiore. Die beiden sind angetreten, um mit den Waffen der Kunst der entzauberten Welt wieder etwas Poesie einzuhauchen.
No more heroes? Das gibt es nur noch in der braven guten Kinderstube, die sich vor falschen Vorbildern schützen soll, sich vor bösen Buben fürchtet und überhaupt der Flucht in die Fantasie misstraut.
Welche Eltern erzählen ihren Bälgern noch richtige, also böse Märchen? Stattdessen gibt es kindliche Ersatzhelden, von Harry Potter bis Schwammkopf, eine Welt, die vielen Eltern völlig schnuppe sein kann. Sie ist moralisch rein und ganz bestimmt nicht von dieser Welt.
Biscuit und Barcellos sind nicht faul und tragen so ziemlich alle Arten populärer Mythen zusammen, die ihnen in die Hände fallen. Aus den Mythen des Kinos, der Märchen, der Fantasy-Romane, aus Kirche, Comics und Werbung drehen sie ihr tanzendes Personal durch einen «Low Frequency Oscillator» (2001) oder einen «Generator NR-Van» (2001), beraten darüber die ganze «Woche der vier Donnerstage» (2003) im «Büro der Längengrade» (2004), so lange, bis das Système Castiafiore diesem ...
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Nicht alles ist Tanz. Aber überall ist Tanz. Wie beim Siegtreffer der DDR am 22. Juni 1974 gegen die BRD während der Fußball-WM. Der Schütze: Jürgen Sparwasser. Hamburger Volksparkstadion, 21.03 Uhr. 34 Jahre später spielt, tanzt, dribbelt der Schweizer massimo furlan noch einmal diese Partie, 90 Minuten, allein, aber akkurat: jede Bewegung von Jürgen Sparwasser....
Sie ist die schrillste Stimme mechanischer Kommunikation. Eine Trillerpfeife eröffnet Urs Dietrichs neue Choreografie am Bremer Tanztheater. Die Akteure tasten sich auf der Schwelle zwischen privatem Körper und Kunstgestalt in Rollen und Identitäten, lauschen still in sich hinein. Horchen an lautsprecherähnlichen Kästen an der Wand.
Ein Rednerpult suggeriert...
Pilar López trat im «Kursaal» auf, im «Principal» oder im «Príncipe Alfonso». Allesamt vornehme Lokale, vornehmer zumindest als die verkommenen Cafés Cantantes, die dem Flamenco so lange eine zweifelhafte Bühne geboten hatten. Schlichtes, derbes Kabarett hatte es dort gegeben, aber nun, zu Beginn der 1920er Jahre, zog der Flamenco in ein gediegeneres Ambiente....
