Soap sur la pointe

in München

Tanz - Logo

Die Zeit ist ein sonderbar Ding, aber wenn man sie so plakativ bebildert wie im Münchner Nationaltheater, wirkt sie bloß banal. Sherelle Charge, auf dem Programmzettel als «berühmte Schau­spielerin» ausgewiesen, treibt ihre Angst vor dem Alter auf die Spitze, und während sie sich sur la pointe nicht die geringste Unsicherheit gestattet, fällt Graeme Murphy nichts Besseres ein, als der vermeintlichen Marschallin einen Zerrspiegel vorzuhalten: als ob der Tanz als vergänglichste Kunst nicht genügte, das Zeitliche zu segnen.

Doch wo das Wort fehlt, muss auch ein Choreograf vom Schlage Murphys passen – und so pendeln die Uhren, als Video-Projektion eingespielt, und nicht die Beine der Tänzer.
So gesehen, ist das Ballett «Die silberne Rose» schon vom ersten Augenblick an zum Scheitern verurteilt. Anstatt den «Rosenkavalier» dem Tanz anzuverwandeln, übt der Choreograf erst einmal den Verzicht: auf die Musik von Richard Strauss und den Text von Hugo von Hofmannsthal. Beide sind nicht verfügbar. Doch der Rest ist nicht etwa Schweigen, sondern eine Soap-Opera, die Murphy aus optischen Gründen in die Entstehungszeit des Werks versetzt. Zentraler Ort des Geschehens ist zunächst einmal ein ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle tanz-Artikel online lesen
  • Zugang zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von tanz

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Tanz April 2006
Rubrik: on stage, Seite 41
von Hartmut Regitz

Vergriffen
Weitere Beiträge
Tuning the body

You may know that in the last few years there has been an explosion of interest in the study of mind. In particular, there has been a blossoming of studies of consciousness, of the subjective aspects of our mental lives, of experience. Much of this work has been interdisciplinary. How could it not be? Philosophers, psychologists, neuroscientists, not to mention...

Henning Paar

Lieber Henning Paar,
am Staatstheater Braunschweig schreibt das Publikum Kritiken. Beurteilt nach der Vorstellung Ihr Stück über den Tango. Mit Schulnoten. Man kann «passabel» oder «gut» oder schlimmeres ankreuzen und auf der Rückseite seinen Mut zusammennehmen und den eigenen Unmut präzisieren. Die Dame neben mir schreibt etwa, sie verstünde nicht, warum trotz...

Die Tanz-Schwelle

Kein Tänzerkongress

2006. Noch nie war ein gemeinsames Curriculum für Tänzer so nah, die Tanzhochschule machbar. Und nie zuvor war die grundsätzliche Klärung des Richtungsstreits zwischen Moderne und Klassik so demonstrativ obsolet. Programmatisch wird der Tanzkongress Deutschland im Berliner Haus der Kulturen der Welt von drei Choreografen eröffnet, die für diese...