Sergei Vanaev
Sergei Vanaevs radikale Umdeutung des Tschaikowsky-Klassikers für ein Dutzend hoch motivierter Tänzer in Bremerhaven erfüllt zwar nicht die Erwartungen an Spitzentanz und ans imperiale Prachtballett, erzählt aber konsequent, tragikomisch und verständlich das Drama unerfüllbarer Liebe. Die «Böse Fee» ist der dunkle verwirrende Sexus von rätselhafter Anziehungskraft – verkörpert im Gaststar des Abends, Samuel Colbey. Der elegante und akrobatische Australier gehört ab kommender Saison zur Kompanie von Stephan Thoss in Wiesbaden.
Sein Carabosse ist der Fremde aus einer anderen Welt.
Exotisch und einschüchternd, aber ein verletzbares Wesen. Ein faustisch Grübelnder in der Studierstube, kein allmächtiger Magier – trotz phallischen Zauberstabs und Spiegels, in dem er das «gretchengleiche» Fantasiebild von Dornröschen erblickt. Bereits der Prolog gehört der Hauptfigur, die als Kavalier dann beim Geburtstagsfest den flotten Twen von Vanessa Erdmann beim Rosen-Adagio erst verängstigt, dann zielsicher umgarnt. In der virtuosen Glanznummer zitiert die kecke Erdmann nur kurz den berühmten Balance-Akt, nicht auf Spitze, um sich dann lässig auf den Boden zu fläzen. Die balzenden Prinzen gleichen ...
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Das Ausrufezeichen hinter dem Namen Béjart, mit dem das Ballett der Straßburger Rheinoper seinen Abend ankündigte, lässt keinen Zweifel. Eine Hommage an den im vergangenen November verstorbenen großen Choreografen sollte es nicht werden, «dergleichen hätte Maurice gelangweilt», wie Ballet-Chef Bertrand d’At sagte. Der ehemalige Tänzer und spätere Assistent Béjarts...
«Tanzsport?!»
«Ist ein Begriff, den vornehmlich Standardtänzer benutzen. Für Choreografen scheint der Vergleich von Sport und ihrer Kunst eher den Tatbestand einer Beleidigung zu erfüllen.» Sagt Nick Hobbs. Der Choreograf. Frei machen vom «Sportlichen» kann sich der Tanz eh nicht. Nur Menschen, die sich nicht gern bewegen, tanzen nicht. «Sport ist ein Teil des...
Das Licht schält sie sanft, fast nachsichtig, aus dem Dunkel heraus. Zwei Figuren, sie vorn, er hinten, in zwei Welten. Dazu klackert, schabt und hallt es in der elektronischen Klangkulisse. Als blicke man in eine entfernte Zeit, einen fremden Ort; zerfallen und vergessen sind Alltag und Leben. Die Frau im knielangen goldbraunen Kleid reckt ihr Gesicht suchend,...
