Seid Barock!

«Barock» ist das Zauberwort. Egal, ob das, was wir dafür halten, wirklich barock ist. Im Zweifel ist es eben «neobarock», die Lust an der Opulenz, vor allem, wenn Krise herrscht. Aber warum auch nicht? Zählt zum Barock doch auch die Geburt des Bühnentanzes und die Erfindung des Choreografen

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«Good evening. Remember me?», ruft uns die Dame im historischen Kostüm entgegen und wirft die Arme in die Luft. Der Rock bauscht sich, sein glänzender Stoff raschelt, Staub wirbelt auf. «Remember me?» Diese Drama-Queen, mit der William Forsythe sein Stück «Artifact» eröffnet, trifft auf eine Tänzerin im grauweißen Trikot, die sehr nüchtern, streng ihre Bahnen zieht. Während die eine an der Grenze zur Hysterie sprüht und für lautstarke Auftritte sorgt, bleibt die sogenannte andere Person durch ihre beharrliche Selbstbeherrschung präsent.

Leistungsorientiert und hierarchiebewusst zirkelt sie dahin. Ihr Zeichen gilt. Sie dirigiert das Corps de ballet. 

 

«Artifact», das gerade vom Bayerischen Staatsballett grandios übernommen wurde, spielt mit der Geschichte des klassischen Tanzes und weist auch zurück auf die Ursprünge des Balletts im Barock. Das Exaltierte, Extravagante und Opulente, Prunk und Pomp, prächtige ­Garderoben, goldverzierte Kutschen und Pferde, Seeschlachten im Schlosstümpel und Feste, die Tage dauerten, ein Herrscher, der tanzte, und mit ihm – um ihn – der Hof: Das Ballet de cour entfaltete die Pracht, die wir ­heute mit dem Barock verbinden, und gilt als die ...

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Tanz Juni 2010
Rubrik: ideen, Seite 58
von Katja Schneider

Vergriffen
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