Sang Jijia

Tanz - Logo

Was macht der Tanz in China? Keine Ahnung. Dass das kommunistische Land sich seit zwanzig Jahren immens verändert, ist allenthalben bekannt. Was sie dort tanzen, erreicht unsere Bühnen, vielleicht auch aus nichtgeografischen Gründen, extrem selten, wenn es nicht gerade ­eine «Schwanensee»-Zirkusnummer ist. Seitdem die diesjährigen Wiesbadener «Maifestspiele» die erst 2005 gegründete Kompanie Beijing Dance/LDTX in ihr großes, gediegenes Staatstheater einluden, bin ich neugierig geworden.

Denn «Unspeakable» von Sang Jijia aus dem Jahr 2007 kommt weder gediegen daher noch exotisch, nicht Tai-Chi-ästhetisch, schon gar nicht ballettsteifig oder propagandapompös. Sondern auf der Bühne mit der seitlichen Holzmauer und dem hinteren Steg, gestaltet vom Choreografen selbst, zeigt sich etwas wie die Freiheit der Bewegung.

Die Choreografie ist fein strukturiert im Gesamtablauf und im Detail, hält mal still, rennt mal aufgeregt durch den Raum, mit nervösen und brutalen Begegnungen, Vereinzelungen, einer Gruppe auf der Flucht, einem wortreichen Disput über den Hergang einer früheren Szene. ­Diese Chinesen werden der hiesigen Betrachterin zu Zeitgenossen in einer Welt der Orientierungssuche. Die ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle tanz-Artikel online lesen
  • Zugang zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von tanz

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Tanz Jahrbuch 2010
Rubrik: Die Hoffnungsträger, Seite 132
von Melanie Suchy

Vergriffen
Weitere Beiträge
Der selbstbewusste Tänzer

Um die Situation der Tänzer in Deuschland zu beschreiben, kann man ihnen getrost einen Spiegel aus Frankreich vorhalten. Aus der Ferne erkennt man sich vielleicht ein bisschen besser. Dort prophezeit, seit nun bald einem Jahrzehnt, die Choreografin Karine Saporta, dass Frankreichs Kulturbetrieb zusammenbrechen werde. Aber es passiert nicht. Die Fassade steht. Dass...

Der Ausbilder

Nein sagt Philip Taylor, zum gegenwärtigen Zeitpunkt würde er nur ungern eine Ballettschule leiten. «Die Ausbildung ist ein zu hartes Brot, wenn nicht mal geklärt ist, für wen diese Schulen überhaupt ausbilden. Man erwägt nicht, die Kompanien zu fragen, welche Art von Tänzer sie suchen. Denn umgekehrt müssten sich die Schulen dann auch klar entscheiden, für welche...

Die Kommunalkultur

Einst wurde mit großem Aufwand in Deutschland kommunale Kulturpolitik betrieben – man denke nur an Hilmar Hoffmann in Frankfurt am Main. Wer sonst sollte den Bürger auch mit Kultur versorgen? Das weite Land, der ferne Staat? Aber das effiziente Instrument ist zu einem ungeliebten Stiefkind verkommen. Seit die Stadtsäckel immer enger geschnürt werden, versuchen...