saarbrücken: Marguerite Donlon: «Close up»
Ganz wörtlich rückt diese Nahaufnahme Tänzern und Publikum auf den Leib, mit Blitzlicht, Lupe und herangezoomten Filmbildern. Aber sie blickt auch in die Köpfe hinein, untersucht in Texten oder Szenen das Entstehen von Tanz, seine Bedingungen und seine Tradition, um dann in der reinen Bewegung die Kommunikation per Körper und das nonverbale Verstehen auszutesten, mit wiederholten Assoziationen zur Gebärdensprache. In der klassischen Collageform des Tanztheaters entsteht so eine 80-minütige, mitunter sehr leichte Revue über das Phänomen des Auf-die-Pelle-Rückens.
Bestens gelaunt thront Marguerite Donlons Tänzerschar, die hier als Co-Choreografenkollektiv fungiert, vor Beginn auf einem weißen Sofa und lacht uns Zuschauern erwartungsvoll ins Gesicht. Ein grober Plan wird entworfen und an den Flügel geklebt, auf dem Kaori Nomura zwischen Bach, Jazz und Moderne improvisiert. Im schwarzen Tutu schält sich eine Tänzerin aus ihrem Campingzelt und erzählt uns, dass sie beim klassischen Ballett nie glücklich geworden wäre. Ganz nostalgisch aber trippelt sie dazu den «Sterbenden Schwan», der zur Schilderung eines echten, blutigen Todes mit eckig abgeknickten Flügeln verendet. Ein Kollegin ...
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Tanz Juni 2013
Rubrik: kalender und kritik, Seite 42
von Angela Reinhardt
Akram Khan erinnert sich: «Als mein Telefon klingelte, war es drei Uhr morgens. Richard Raymond war dran, der Filmproduzent. Ich wollte auflegen, er aber flehte: Hör dir bitte diese Geschichte an! Nur zwei Minuten! Was soll ich sagen? Ich biss voll an!» Die Geschichte, die Raymond dem Choreografen erzählte, hat sich wirklich zugetragen. Es ist die Geschichte von...
1981, Harlem, New York. Ein älterer, leicht besoffener Herr zuckt unkontrolliert mit den Schultern: Erst schießt die linke nach oben, dann schiebt sich mit der Hüfte auch die rechte Schulter nach vorn. Sein Unterkörper bewegt sich in stoßartigen Bewegungen rhythmisch vor und zurück. Der ganze Körper gerät in epileptisches Schütteln und Rütteln. Was dieser Mann...
Boris Charmatz, vor ein paar Jahren waren Sie mal Teilzeit-Berliner, weil Gastprofessor am Hochschulübergreifenden Zentrum Tanz. Wieso sind Sie gegangen?
Mit Berlin verbindet mich eine viel längere Geschichte. Ich war als Kind mit meinen Eltern jeden Sommer hier auf Museumstour. Schon damals fand ich Berlin ein großartiges Pflaster, und dem Ruf ans HZT bin ich...
