Rotterdam, Den Haag: Goecke, León, Lightfoot, Shechter «Saisonnier»
Die Zeit der großen Wartesäle ist vorbei. Zweckentfremdet, befriedigen sie inzwischen andere Bedürfnisse. Im Basler Bahnhof SBB beispielsweise ist heute im Wartesaal eine Brasserie zu Hause. Die Leere und Langeweile, die hier einst geherrscht haben müssen, lassen sie nicht mehr spüren. Da muss man sich schon eine Vorstellung des Nederlands Dans Theater anschauen, um wie früher zwischen zwei Zügen seinen Gedanken nachzuhängen oder seiner Fantasie freien Lauf zu lassen.
Sol León und Paul Lightfoot machen’s möglich.
Für «Singulière Odyssée» haben die beiden NDT-Hauschoreografen den Basler Wartesaal bis aufs Detail nachbauen lassen, mit seiner halbhohen Holztäfelung, der überlangen Bankreihe zur Linken, den verblichenen Wandgemälden, der typischen Bahnhofsuhr ... Und sie haben ihn auf eine ganz eigene Art gefüllt: mit Tänzern, die der Wind stoßweise hereinwirbelt, mit Bewegungen, die immer wieder zu erstarren drohen, mit Bildern, die einen Verlust ahnen lassen, mit Abschiedsszenen, die oft etwas albtraumhaft Surreales haben.
Es ist ein schönes, überaus fragiles Stück Poesie, dabei stimmig ausgearbeitet, voller Virtuosität und wie geschaffen für ein so herbstliches Programm wie ...
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Tanz Dezember 2018
Rubrik: Kritik, Seite 48
von Hartmut Regitz
tanz
Zeitschrift für Ballett, Tanz und Performance
Herausgeber
Der Theaterverlag – Friedrich Berlin
Redaktion
Hartmut Regitz, Dorion Weickmann, Arnd Wesemann
Mitarbeit: Sofie Goblirsch, Marc Staudacher
Nestorstraße 8-9, 10709 Berlin
Tel +49 (0)-30-254495-20, Fax -12
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Gestaltung & Bildredaktion
Marina Dafova
Anzei...
Es gibt ein Thema, bei dem Yuri Fateev sofort der Hut hochgeht. Der Chef des Petersburger Mariinsky-Ballett würde am liebsten eine Trademark «Marius Petipa» installieren, findet er doch den Umgang mit dem wegweisenden Œuvre des Franzosen katastrophal: «Die Klassiker werden ruiniert, weil Leute wie Nurejew sie in den Westen exportiert und dann ihr eigenes Ding...
Als wär’s ein Stück von ihm. Erst am Schluss wendet sich Arkadiusz Glebocki direkt ans Publikum und scheint das ganze Theater als eine poetische Projektion zu entlarven. Er allein, Drosselmeier, hat die Geschichte vom «Nussknacker und Mausekönig» erdacht zum Nutzen und Frommen eines Publikums, das während der Weihnachtszeit alles Wirkliche am liebsten verdrängen...
