revolution!
Kuratoren, Galeristen, Kunstprofessoren winken routiniert ab, sobald jemand mit der Frage aufschlägt: Wo bitte geht‘s zur Avantgarde? Selbst Originalität gilt heute als problematisches Unterfangen, war doch … alles schon mal da. Tanzkreative hören über ihr eigenes Schaffen denn auch häufig nichts lieber als: «Das sieht nach Billy aus.
» Was so viel bedeutet wie: Du bist ein cleverer Kopist unseres erlauchten Revoluzzer-Königs, des fabelhaften William Forsythe!
In der Tat hat seit Forsythes serieller Ballett-Dekonstruktion eigentlich niemand mehr radikal Bahnbrechendes zustande gebracht. Der Amerikaner steht recht einsam auf dem Fortschrittspodest des ausgehenden 20. Jahrhunderts – an dessen Anfang Serge Diaghilew, der Impresario der Ballets russes, gewissermaßen im Alleingang den Weg in die Moderne ebnete. Wird jedenfalls immer behauptet. Aber stimmt es auch?
Eine Ausstellung im Victoria and Albert Museum in London, das eine riesige historische Kostümsammlung besitzt und daraus bereits das Ballets-russes-Zentenar 2010 glamourös bestückte, schickt sich derzeit an, die Legende ein Stück weit zu entzaubern. Demnach reiht sich Diaghilews Versuch, Tanz, Musik und Dekor zum ...
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Tanz November 2014
Rubrik: bewegung, Seite 4
von Dorion Weickmann
In Erinnerungen zu schwelgen, verbietet der Anlass. Vor zehn Jahren, am 21. November, ist Uwe Scholz in Bad Saarow gestorben, von Alkoholkonsum wie Tablettenmissbrauch gänzlich geschwächt: ein vergleichsweise junger Choreograf, gerade mal 45, schmächtig anzuschauen, der als Ballettdirektor in Zürich und Leipzig ein geradezu gigantisches Œuvre hinterlassen hat. Sich...
newcomer_________
tars vandebeek
Wenn Sternschnuppen vom Himmel fallen, achten sie bekanntlich nicht darauf, wohin sie geraten. Und wenn wir gen Himmel schauen, tun wir das selten in der Hoffnung, einen Stern oder das, was wir dafür halten, fallen zu sehen.
Das ist im Ballett nicht anders. So gingen wir zuletzt ins Opernhaus Zürich, um daselbst «Anna Karenina»...
Statt Cranko Neumeier. Statt «Onegin» eine «Tatjana». So nennt Hamburgs Ballettintendant seine Version von Puschkins Versroman. Tatjana, sagt Fjodor Dostojewski, ist der wahre «Held»: «Sie ist tiefgründiger als Onegin und auch klüger. Sie ahnt schon allein durch ihren feinen Sinn, wo die Wahrheit ist und worin sie besteht. Vielleicht wäre es besser gewesen,...
