potsdam
Unter allen Spielarten des Urban Dance ist das Krumping für die Bühne restlos untauglich. Krumping ist tierisch, aggressiv, Ausdruck von Wut und Ohnmacht. Hände schnellen vor, der Kopf wendet sich ab, das Gesicht zeigt Abscheu, wilde Gesten machen den starken Mann oder die starke Frau. Spätestes seit David LaChapelles Kinowerbefilm «Rize» (2005) sind die Krumper die gänzlich Hoffnungslosen, die ärmsten Schwarzen an der amerikanischen Westküste. Ihr Tanz in den Elendsvierteln liest sich wie ein afrikanischer Zauber gegen Chancenarmut. So hatte LaChapelle sie zu Helden gemacht.
Anders in Frankreich. Hier wird den Krumpern das übliche Programm aus sozialer und kultureller Teilhabe verordnet. Man trifft sich im WIP Villette in Paris, einer offiziellen Bühne für Urban Dance. So sichert sich der Staat die Kulturhoheit, auch, um amerikanische Verhältnisse zu vermeiden.
Krumper organisieren sich eher in Familien, den Tiger Cold Boyz, den Wrecker Madskillz, kleinen Gemeinschaften, die sich um ihren besten Tänzer scharen und deren Clans sich ähnlich den B-Boyz in Sessions, Battles und nun auch auf der Bühne treffen, an einem für sie völlig ungewohnten Ort. Einer von den vieren hier, Anthony ...
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Tanz Februar 2015
Rubrik: kalender, Seite 44
von Arnd Wesemann
Der «schweigsamen Kunst» Aussagekraft abzutrotzen, ist eine Kunst, auf die sich nicht alle Choreografen so gut verstehen wie Stephan Thoss. «Die Liebe kann tanzen» heißt sein neuestes Werk, und im Programmheft beschreibt es der einstige Ballettchef von Kiel, Hannover und Wiesbaden als ein Wechselspiel von Frage und Antwort: «Die Fragen lockten und kitzelten...
Angesprochen auf die reichhaltigen bildlichen Bezüge, die seinem neuen, beim «Romaeuropa Festival» vorgestellten Stück «Dolce Vita» zugrunde liegen, antwortete Virgilio Sieni: «Die Körper werden geformt, um Figuren darzustellen, die wir aus einem ikonografischen und symbolischen Zusammenhang heraus als bedeutsam wiedererkennen.» Der Choreograf und künstlerische...
Diese Tänzerin tanzt wirklich schön. Aber unwirklich. Denn der Zuschauer, obwohl er im Theater sitzt, trägt einen Kopfhörer für den ultimativen Surroundsound, trägt eine Brille für den perfekten 3D-Eindruck. Und er hält das Herz der Tänzerin in der Hand. Zumindest ist es ein sehr präzises, aus Plastilin gefertigtes Modell der menschlichen Pumpe. Yui Kawaguchi...
