Paul Seaquist
Das Ballett sei überwiegend schlecht gemanagt, sagt er und versucht im Großen, was Christoph Winkler mit seinen Berlin GoGos im Kleinen angeht: den Tänzern mehr Aufmerksamkeit und breitere Einsatzmöglichkeiten zu verschaffen. Seaquist, in den USA geboren, in Chile aufgewachsen und dort zum Tänzer ausgebildet, fand über Umwege zu seiner Bestimmung, für die der Mittdreißiger heute brennt. Seit fünf Jahren betreut er Solisten wie Robert Tewsley, Mikhail Kaniskin, Ronald Savkovic und ist stolz, mittlerweile auch Aurélie
Dupont unter Vertrag zu haben.
Dass er besonders gern jungen, noch weniger bekannten Talenten auf den Weg hilft, gehört ebenso zu seinen Ambitionen wie der feste Wille, weiterreichend in künstlerische Prozesse einzugreifen.
Zwar veranstaltet er Star-Galas in Taipeh, Shanghai, Peking, Hongkong, doch sind die eher ein erster Schritt in den asiatischen Raum, um dort seine Träume zu verwirklichen. Theater zu eröffnen, eigene Saisons mit Uraufführungen einzurichten, hält er, dessen Vorbild Serge Diaghilew ist, durchaus für real und hat auch ein Gespür dafür, wo private Geldgeber bereit sind, sich für den Tanz zu engagieren. Sie zu finden, als Bindeglied zwischen Kommerz und ...
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Da ich nicht weiß, inwieweit ich von der Kenntnis meiner Inszenierungsarbeit ausgehen kann, vor allem der Arbeit vor 1990, möchte ich zuallererst sagen: Ich befand mich in der Notsituation, mir einen bestimmten, wenn auch sehr wichtigen Aspekt meiner künstlerischen Arbeit – den Umgang mit dem Faktum ZEIT – so stark ins Bewusstsein zu heben, dass ich schon Angst...
Will ich in Tokio Unterricht nehmen in japanischem Bogenschießen, kann ich nicht einfach in ein Studio gehen und loslegen. Ich benötige einen japanischen Bürgen, der für mich spricht, ein gutes Wort einlegt. Nur so erhalte ich die Einladung zu einer Probestunde, die darin besteht, dass ich – im Beisein des Bürgen – den Übenden zuschauen darf.
Zweieinhalb Stunden...
Philosophie und Tanz – beide befassen sich mit der Zeit der Bewegung. Die Philosophie tut dies kognitiv – auf dem Weg des Denkens etwa von Paradoxien wie Zenons berühmter Beweis, dass Achill die Schildkröte nie wird einholen können. Der Tanz hingegen, als eine Zeitkunst, arbeitet mit Bewegung, körperlich gestalteter Zeit. George Balanchine hat, aus diesem Wissen um...
