Paris on tour: Mette Ingvartsen «Moving in concert»
Nein, diesmal geht es der dänischen Choreografin nicht um Pornografie, nicht um die Furcht vor Sexualität, die ihre pornografische Erfüllung in der Inszenierung von Sexualität finden will. Ihr geht es in diesem Stück darum, sich «konzertant zu bewegen», um die Betrachtung des Einflusses der Technik auf den Menschen.
Wir alle folgen «konzertant» bestimmten Regeln, die die Technik uns nahebringt: Wir suchen in fremden Räumen nach Lichtschaltern, achten auf der Straße auf Ampeln, drücken ohne Unterlass Knöpfe – und glauben sogar, wir müssten auf Knopfdruck und auf jeden Hinweis reagieren. Diese Vorstellung, dass Technik und Verhalten einander bedingen, legte vor Jahren die Philosophin Catherine Malabou nahe. Sie untersuchte die Fähigkeit des Hirns, sich plastisch, elastisch der Umwelt anzupassen. Das Hirn lernt immerzu Regeln, die von außen als Zeichen einwirken. Es reflektiert diese aber nicht abstrakt als Zeichen, die sie eigentlich sind, sondern als Regeln für ein Verhalten, das nicht infrage zu stellen ist. Wir glauben, dass ein Lichtschalter funktioniert. Wir glauben, bei Rot anhalten zu müssen. Und wir glauben den Medien, weil sie, in ihrer Totalität von Lichtzeichen, mit uns ...
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Tanz November 2019
Rubrik: Kritik, Seite 42
von Arnd Wesemann
Sie ist eine Baumeisterin, eine Architektin von Raum und Zeit, die von der Pike auf gelernt hat, wie man einen Tanzabend konstruiert. Immer war sie mit Haut und Haar in den kreativen Prozess involviert, zuerst als Tänzerin, dann als Choreografin und, im letzten Jahrzehnt, als Artistic Director. Heute konzentriert sie sich mit Leidenschaft darauf, die Entwicklung...
Wenn das Ballet Junior de Genève -durchs Land fährt, füllen sich die Theatersäle. Die blutjunge Truppe von Patrice Delay und Sean Wood bringt jene Seite der Tanzkunst zu den Menschen, die die Menschen zur Tanzkunst bringt: Lebensfreude. Vor ein paar Jahren entflammte die quirlige Kompanie mit Arbeiten israelischer Choreografen im Rahmen der «Steps»-Tournee die...
«Mach doch was mit Tanz», hatte seine Mutter gesagt. Und da Mark Christoph Klee gerade nichts Besseres einfiel, bewarb er sich in Amsterdam an der University of the Arts – und wurde genommen. 1993 im beschaulichen Neumünster geboren, hatte er als Jugendlicher viel getanzt, vor allem Hip-Hop. Ab 2012 studierte er Modern Theatre Dance in Holland, eine Dringlichkeit...
