nackte angst
Ohne Angst kein Tanz. Sie ist überall. Aber niemand spricht über sie. Erst wenn man gezielt nach ihr fragt und ein bisschen bohrt, heißt es: Ja, klar, die kennt man doch, jeder kennt sie. Aber sie führt ein Leben im Untergrund. Ist ein Tabu. Das macht sie mächtig, machtvoller wahrscheinlich als die Liebe, die sich für Geschichten eignet mit Anfang, Mitte, Höhepunkt, Ende – und entsprechend häufig in Choreografien verhandelt wird. Die Angst ist keine Story, die sich in die Hand nehmen und versüßen oder versalzen ließe mit künstlerischen Mitteln. Sie hat ein anderes Timing.
Sie ist zu groß, zu tief. Wohl ist sie Teil jeder Story, aber nie ihr Ganzes. Sie äußert sich als Scheu vor der Begegnung oder dem Unbekannten, als Angst vor dem Verlust des Geliebten, als Sorge ums eigene Leben oder das der Nächsten. Es gibt choreografisch-tänzerische oder gestische Formen fürs Bangen oder Erschrecken und die daraus resultierende Lähmung oder Verzweiflung oder den plötzlich wachsenden Mut.
opfer-ritual
Hauptrollen bekommt die Angst nicht. Mit einer Ausnahme, und die betrifft ein getanztes Ritual: Ist nicht das «Frühlingsopfer» aus der Angst einer Gemeinschaft geboren, nicht bestehen zu können vor ...
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Tanz Jahrbuch 2015
Rubrik: Kleine Anlässe, große Wirkung, Seite 114
von Melanie Suchy
«Ich bin nur mit Frauen aufgewachsen, habe also keinen Grund, feministisch zu sein», sagte sie einmal. Bouchra Ouizguen verdient seit ihrem 15. Lebensjahr ihr eigenes Geld mit Tanz und Choreografie. Und das in Marokko, wo nicht ein einziger Cent öffentliches Geld in diese Kunstform investiert wird. 2003 hat sie zusammen mit Taoufiq Izzediou in Marrakesch die Cie...
Gerangel. Schwitzende Leiber ringen, gehen in den Clinch. Dann war der Griff zu fest, die Gegenwehr zu heftig. Zack, ist die Hose kaputt. Klafft am Po und rutscht über die Hüften. Kristof Van Boven macht ein unglückliches Gesicht. Später wird erst sein Kopf mit Ton eingepackt, bis er aussieht wie ein Elefantenmann, und dann mit dem Boden verspachtelt. Angenehm kann...
«Wow, diese Szene war echt stark, richtig ekelhaft!» – «Ja, schrecklich – mir ist schon vom Zusehen schlecht geworden.» Ein Gespräch, aufgeschnappt im Haus der Berliner Festspiele beim Festival «Foreign Affairs 2015», am Rand der 24-Stunden-Performance «Mount Olympus» von Jan Fabre/Troubleyn. Die Gesprächspartnerinnen scheinen ihren Ekel und ihren Schrecken...
