momentum
Bewegung kann vieles sein. Bewegung gibt es auch in ihrer Abwesenheit, nämlich in der Standfotografie. Ein Still ist das Innehalten in der Bewegung. Es gefriert den Augenblick ein ohne Davor oder Danach und regt so die Fantasie des Betrachters an. Wenn dieser eine Bewegungsfolge kennt, wird er vor dem inneren Auge den Rahmen des Bildes entsprechend ergänzen. Kennt er sie nicht, wird er verschiedene Möglichkeiten durchspielen, ausgehend von der Körperhaltung der jeweiligen Protagonisten.
Der sichtbare Augenblick in der Standfotografie schafft etwas, was es in der Wirklichkeit nicht gibt: die Präsenz des Präsens. Das Flüchtige verflüchtigt sich, ein einzelner Moment ist durch die Fotografie dingfest gemacht.
Eadweard Muybridge schuf mit seinen Serienfotografien als Erster einen schönen Zwitter – nicht mehr Fotografie, noch nicht Film. Die afro-amerikanische Künstlerin Lorna Simpson, 1960 in Brooklyn geboren und nach einer Reihe bedeutender Auszeichnungen gerade erst für den «Deutsche Börse Photography Prize» nominiert, liebt Fotoserien. Anders als Muybridge bevorzugt sie die Pose oder die minimalistische Wiederholung des Gleichen, aber nicht immer Identischen. Insofern scheint ihre ...
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Tanz Februar 2014
Rubrik: bewegung, Seite 4
von Eva-Elisabeth Fischer
Eines Nachts beginnen sie wieder. Zwischen Laub, das büschelweise vom Himmel hängt, stehen sich der Mann und die Frau gegenüber im spärlich kühlen Licht. Tragen Schuhe und lange Hosen, nackte Oberkörper. Erwachsene. Marco Berrettini und Marie-Caroline Hominal. Er tanzt los, sie steht ihm gegenüber, tritt in den Takt ein, und sie trennen sich nie wieder, 70 Minuten...
Fünfzehn Jahre, im Zeitraffer erzählt – so entsteht ein Bildersog, der allerfeinstes Tanztheater verspricht: Da findet ein Mann seine Liebste, spaziert mit ihr Hand in Hand, die beiden bekommen ein Kind, für ein paar Augenblicke leuchtet das Familienidyll, dann stürzt die Frau zu Boden, Witwer und Halbwaise bleiben zurück. Auf der nachtschwarzen Bühne des...
Künstlerische Ausbildungsstätten sind geprägt von den Eigenarten und Vorstellungen derer, die an ihnen tätig sind. Im besten Fall gelingt es, dass Studierende befähigt werden, selbst herauszufinden, was an kreativen Möglichkeiten und Qualitäten in ihnen steckt. Dafür braucht es Ermutigung, Professionalität und eine Ausbildungsstruktur, die für solche Entwicklungen...
