Mechthild Grossmann
Ihr Schnurren ist das einer Raubkatze. Unvermittelt setzt sie zum Sprung an, die Beute fest im Blick, und krallt sich in ihren Hals. Der Danse macabre beginnt. Diva mit Killerinstinkt. Sie lenkt die Schritte. Der junge Mann hat keine Chance.
Die Rolle der Martha in Edward Albees mörderischer Eheschlacht «Wer hat Angst vor Virginia Woolf?» ist Mechthild Großmann auf den Leib geschrieben. Mal Femme fatale, mal kleines Mädchen mit weit aufgerissenen Augen, verführt sie den Gast, um den Gatten zu quälen.
Dem spuckt sie mit heiserer Säuferstimme Worte der Verachtung entgegen, um ihn vor dem anderen Paar zu erniedrigen. Verfällt dann in boshaftes Gelächter aus rauchiger Kehle. Und genießt es. Vollweib und Kindfrau. Domina und Dienerin.
Im Frühstücksraum eines Kasseler Hotels wirkt Mechthild Großmann wie ein schillernder Fremdkörper. Obwohl sie ungeschminkt ist, die Pumps mit Sportschuhen getauscht und eine wollene Wi-ckeljacke über das grüne T-Shirt gebunden hat, fällt ihre divaeske Erscheinung in diesem Kantinen-Ambiente auf. Stöckelte sie gestern Abend noch über die Bühne des Staatstheaters Kassel, steuert sie nun federnd-dynamischen Schrittes ans Buffet, um sich Kaffee, Brötchen und ...
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