man tanzt deutsch
Übertriebenen Nationalismus kann man dem deutschen Tanz wirklich nicht vorwerfen: Von Jean-Georges Noverre und den Taglionis über John Cranko bis William Forsythe ist die Geschichte des Balletts in Deutschland eine der Gastarbeiter – und das Publikum nahm sie stets mit offenen Armen auf. Eine eigene, dauerhafte Schule wie die Franzosen, Russen, Dänen und US-Amerikaner hat das Ballett hierzulande nie zustande gebracht.
Kein Goethe, kein Wagner, kein Brecht tauchte in seiner Entwicklung auf – aber immerhin Pina Bausch, die gemeinsam mit den Goethe-Instituten die Welt eroberte, wenn auch als eher singuläre Erscheinung. Was man im anglo-amerikanischen Sprachraum einmal unter «German Dance» verstand, ist ein knappes Jahrhundert alt: der Ausdruckstanz, unser wichtigster Beitrag zur Tanzgeschichte, der wie alle Avantgarde-Kunst der 1920er-Jahre durch die Nazis verdrängt, verjagt – in diesem Fall auch: partiell unterwandert – wurde. Seine Geschichte wurde durch den Zweiten Weltkrieg unterbrochen, danach ging die stilistische Diversifikation erst richtig los: Leichter und neugieriger als die anderen Künste absorbierte der Tanz in Ost wie West den kulturellen Einfluss der Besatzungsmächte.
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Tanz Oktober 2013
Rubrik: ideen, Seite 62
von Angela Reinhardt
im november: politik_________
Überall in der Republik steht der Kulturhaushalt – auf unerträglich wackeligen Beinen. Bundeshilfen wie die «Doppelpass»-Initiative verdeutlichen erst recht die Tiefe des Grabens zwischen Künstlern und den einst für sie geschaffenen Institutionen. Lediglich 2,5 Prozent (!) des gesamten Berliner Kulturhaushalts fließen an die...
maastricht_________
tanztage
Maastricht wollte sich 2018 mit dem Titel Kulturhauptstadt schmücken. Daraus wurde nichts, auch wenn ein paar Bedingungen in Aachens Nachbarstadt längst erfüllt waren. So gibt es hier seit 15 Jahren die «Nederlandse Dansdagen», einen dreitägigen Marathon von zehn Uhr bis Mitternacht, um an einem einzigen Wochenende die besten Stücke aus...
Zur «Generation Erben» zu gehören, gilt nicht gerade als Ruhmesblatt. Der Generalverdacht lautet: Nachlassverwerter zählen zur Kategorie der Leistungsverweigerer und familiären Parasiten, die verprassen, was die Altvorderen durch fleißiger Hände Arbeit erwirtschaftet haben. Ganz anders im Tanz: Hier hat es noch nie was zu verjubeln gegeben, vielmehr verflüchtigt...
