man tanzt deutsch

Das Bayerische Staatsballett ruft das «Tanzland Deutschland» aus, Stuttgart geht mit «Made in Germany» auf Tour, Sasha Waltz erntet Lorbeeren in Sankt Petersburg und Paris. Gilt mitten in der Globalisierung: Wir sind wieder wer?

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Übertriebenen Nationalismus kann man dem deutschen Tanz wirklich nicht vorwerfen: Von Jean-Georges Noverre und den Taglionis über John Cranko bis William Forsythe ist die Geschichte des Balletts in Deutschland eine der Gastarbeiter – und das Publikum nahm sie stets mit offenen Armen auf. Eine eigene, dauerhafte Schule wie die Franzosen, Russen, Dänen und US-Amerikaner hat das Ballett hierzulande nie zustande gebracht.

Kein Goethe, kein Wagner, kein Brecht tauchte in seiner Entwicklung auf – aber immerhin Pina Bausch, die gemeinsam mit den Goethe-Instituten die Welt eroberte, wenn auch als eher singuläre Erscheinung. Was man im anglo-amerikanischen Sprachraum einmal unter «German Dance» verstand, ist ein knappes Jahrhundert alt: der Ausdruckstanz, unser wichtigster Beitrag zur Tanzgeschichte, der wie alle Avantgarde-Kunst der 1920er-Jahre durch die Nazis verdrängt, verjagt – in diesem Fall auch: partiell unterwandert – wurde. Seine Geschichte wurde durch den Zweiten Weltkrieg unterbrochen, danach ging die stilistische Diversifikation erst richtig los: Leichter und neugieriger als die anderen Künste absorbierte der Tanz in Ost wie West den kulturellen Einfluss der Besatzungsmächte.

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Tanz Oktober 2013
Rubrik: ideen, Seite 62
von Angela Reinhardt

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