luzern: Fernando Melo: «Don Juan»
Don Juan kann nicht anders. Wo immer er steht und geht, wird er befingert und befummelt – warum sollte er da nicht mal zugreifen? Samuel Déniz Falcón tut dies in Fernando Melos Luzerner «Don Juan» ein paarmal, obwohl er weniger Draufgänger als Drauf-Gestoßener ist. Verführen, ja, das will er und das kann er. Die eigentliche Sache dagegen scheint ihn nur vage zu interessieren. Er holt sich die Schöne in die Kammer, doch hat er sie endlich im Bett, schnippt er mit den Fingern nach Helfern. Die drehen und wenden, wälzen und winden das Paar, bis es erschöpft darniederliegt.
Tanz Luzerner Theater bringt einen «Don Juan» zu Christoph Willibald Glucks Musik auf die Bühne. Das ist an sich ein abenteuerliches Unterfangen, besteht doch die Kompanie von Kathleen McNurney aus nicht viel mehr Mitgliedern, als das Stück Rollen stellt. Solche Herausforderungen ist die ehemalige Ballettmeisterin von Richard Wherlock und Heinz Spoerli jedoch gewohnt. Seit sie 2009 die Leitung von Tanz Luzerner Theater übernahm, hat sie immer wieder Choreografen gefunden, die für ihr winziges Ensemble ein Handlungsballett schufen. So choreografierte Stijn Celis «Dornröschen», Matjash Mrozewski «Romeo und Julia», und ...
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Tanz November 2014
Rubrik: kalender und kritik, Seite 48
von Lilo Weber
Arm ist, wer mit der Sorge ums Geld aufsteht, aus Sorge ums Geld arbeitet und mit derselben Sorge wieder ins Bett steigt. Armut kann unermesslich sein, und darum ist sie auch nicht messbar, nicht mal an der Füllhöhe des Kühlschranks. Ist einer erst dann arm, wenn er keinen Kühlschrank mehr hat? Arm ist vielmehr, wer sein Denken nur noch schwer in andere Bahnen...
Rundherum klopft und zupft der Sound von Tamer Fahri Özgönenc, während wir Zuschauenden uns akklimatisieren und im unbestuhlten Theatersaal arrangieren: ziellos flanieren, einander flüchtig oder eingehend mustern, uns auf den Boden setzen, uns gegenseitig erfassen und anpassen an jeweilige Gehrichtungen und -tempi. Eine Gemeinschaft auf Zeit, ein zufälliges...
Wer sich zutrauen würde, eine Geschichte des zeitgenössischen Tanzes zu schreiben, käme schnell zur Erkenntnis: Es gibt keine richtige Reihenfolge. Es scheint unmöglich zu sagen, auf Choreograf X folgte Choreografin Y. Was in einem Stadttheater noch gültig zu sein scheint – nach Youri Vámos in Düsseldorf kam Martin Schläpfer – ist dennoch ungültig, denn Schläpfer...
