leipzig: isabelle schad, laurent goldring «unturtled #3»

Tanz - Logo

Ungeschildkrötet – schönes Wort. Ein vom Schutz des Panzers und von der Lahmheit der Bewegung befreiter Körper. Tanz eben. Isabelle Schad, einst Ballerina, heute Vordenkerin und Tänzerin der freien Szene, sagt: «Der Titel beruht auf einem Tippfehler; der Finger schlug zu weit links auf, es sollte ‹Untitled› heißen.»

In den Berliner Sophiensaelen stürzt sie in ein schwarzes Stretchkleid von Yana Burkhalter, verschwindet darin wie in einer weichen Schale.

Neben der Bühne sitzt der bildende Künstler Laurent Goldring; er improvisiert seine Sätze, spricht aber selten, damit völlige Gleichheit zwischen der Sensation des Körpers und den Worten herrscht, damit die Zuschauer frei schweifen können zwischen der lebenden Skulpturenkröte und einem Schild aus Wahrheit, den Goldring ab und zu aufhebt.

Immer weiter verändert Isabelle Schad ihr Körperbild hinter der dunk­len Stoffmembran. «Vergiss das vorherige Bild», sagt Goldring. Haben wir vergessen. «Welche Bilder zwingen mich, sie zu vergessen, um neue zu erzeugen?» Die Frage stellt sich Goldring selbst, während Isabelle Schad davon unberührt wie eine Schildkröte im Salat ein Bein aus dem Kleid streckt, als ein Versuch, das Zweibeinige zu ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle tanz-Artikel online lesen
  • Zugang zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von tanz

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Tanz November 2010
Rubrik: kalender, Seite 44
von Arnd Wesemann

Vergriffen
Weitere Beiträge
luzern: irina müller «on pleasure and fear»

Rote Marmelade ist ein Zeug, das gewisse Zeitgenossen bereits am Morgen in ihren Körper befördern können. Es riecht nicht mal besonders und enthält so viel Zucker, wie man zum Einkochen braucht. Bei künstlerischer Anwendung erinnert rote Marmelade an Blut und gilt als profanstes Mittel, um Stichverletzungen, Schusswunden und dergleichen zu simulieren. Was Irina...

continu

Choreografen, die sich verändern möchten, haben es schwer. Wenn ein Künstler was ­Gu­tes schafft, wollen Publikum und Presse davon immer mehr. Pina Bausch konnte davon ein Lied­chen singen, als ihre Stücke immer leichter, beschwingter und tänzerischer wurden. Sasha Waltz konnte dies in der Schweiz nun ebenso. Hier hatte man sie von ihrer «Trave­logue»-Serie her in...

der netzwerker

Die Münchner «Tanzwerkstatt Europa» geht wie die meisten Festivals mit einer Party zu Ende. Wer den Veranstalter Walter Heun sucht, erhält von einer Mitarbeiterin den Hinweis: «Mitten auf der Tanzfläche, der macht das volle Programm.» In diesem Jahr war es wohl noch zu früh. Heun, der nicht zu den Ersten zählt, die nach Hause gehen, machte sich am Rand erst noch...