der netzwerker

Walter Heun spielt kein Instrument, tanzt auch nicht bühnentauglich, dafür beherrscht er virtuos die Kunst der Lobbyarbeit für den Tanz.

Tanz - Logo

Die Münchner «Tanzwerkstatt Europa» geht wie die meisten Festivals mit einer Party zu Ende. Wer den Veranstalter Walter Heun sucht, erhält von einer Mitarbeiterin den Hinweis: «Mitten auf der Tanzfläche, der macht das volle Programm.» In diesem Jahr war es wohl noch zu früh. Heun, der nicht zu den Ersten zählt, die nach Hause gehen, machte sich am Rand erst noch warm, umringt von Butterbrot verzehrenden, schweren Herzens Abschied nehmenden Praktikantinnen.

Dabei ist Heun gar kein Tänzer – trotz einiger Stunden Jazz und Modern, mit denen er nebenbei seine Fußballtechnik aufbesserten wollte –, sondern vor allem ein Tanzermöglicher: ein versierter Netzwerkgründer, Organisator, Produzent und kulturpolitischer Ideengeber der Szene. Seit 2009 ist er künstlerischer Leiter des Tanzquartiers Wien.

Die Bedingungen für seine Arbeit schuf Heun sich selbst. Als er vor 26 Jahren nach einem Theaterwissenschaftsstudium in München anfing, existierte dort weder die Muffathalle noch das i-camp, noch das schwere-reiter-Areal für den Tanz. Anderswo sah es auch nicht besser aus. Man muss sich Deutschland als eine Landschaft vorstellen ohne Künstlerhaus Mousonturm, ohne Sophiensaele, Radialsystem V, ohne ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle tanz-Artikel online lesen
  • Zugang zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von tanz

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Tanz November 2010
Rubrik: menschen, Seite 24
von Astrid Kaminski

Vergriffen
Weitere Beiträge
bepreist: saúl vega

erhält im November den mit 5000 Euro dotierten «Bayerischen Kunstförderpreis», der an Künstler in Bayern unter 40 Jahren vergeben wird. Der spanische Tänzer ist seit 2008 Mitglied im Ballett des Staatstheaters Nürnberg unter Goyo Montero und tanzt dort wichtige Rollen.

brügge: december dance

Wenn Janez Janša in «Fake It!» Werkauschnitte von Pina Bausch, Trisha Brown, Tatsumi Hijikata, Steve Paxton und William Forsythe zeigt, gehört er bestimmt zur «No-copyright»-Bewegung. Denn er zeigt die Zitate ungefragt, weil es in bestimmten Regionen Europas keinen Anschluss gibt an die großen Tanzbewegungen. Zu ihnen zählen auch Sasha Waltz und Josef Nadj, auf die...

brüssel: wim vandekeybus «monkey sandwich»

Er ist ein Choreograf und ein begnadeter Filmemacher: In «Monkey Sandwich» dominiert der Filmemacher Wim Vandekeybus. Der Choreograf in ihm nimmt sich des Soloperformers Damien Chapelle an, der unterhalb der Leinwand ein sonderbares Eigenleben führt und erst nach und nach die bemerkenswerten Bezüge zwischen Film und Bühne entdecken lässt.

Für den Film fand...