la esmeralda
Die Kathedrale von Notre-Dame in Paris sieht man schemenhaft gemalt im Hintergrund. Quasimodo, der bucklige Glöckner, hat hier eine bessere Statistenrolle, die schöne Zigeunerin Esmeralda muss natürlich nicht sterben, sondern wird zum Happy End mit ihrem blonden Hauptmann Phœbus vereint. Im stark romantisierten Paris der Ballettbühne versinkt Victor Hugos Romanklassiker in Gauklerfolklore. Nach dramaturgischer Plausibilität darf man hier genauso wenig fragen wie in «La Péri» oder in «Le Corsaire».
Von Interesse ist «La Esmeralda» beim Staatsballett Berlin allein als Blick zurück in die Balletthistorie. Den riskieren die großen Ballettkompanien immer lieber.
Russische Brille
Wo die Suche nach neuen Abendfüllern aus der Gegenwart regelmäßig scheitert – weil kaum mehr Choreografen im Breitwandformat erzählen –, gehen sie immer tiefer in die Vergangenheit, in diesem Fall noch vor Marius Petipa in die Glanzzeit des romantischen Balletts. Nur 13 Jahre nach dem Erscheinen von Hugos Roman wurde «La Esmeralda» 1844 in London uraufgeführt und fiel sogar ein wenig aus dem romantischen Schema. Die Heldin ist kein bleiches Luft- oder Zauberwesen, sondern eine höchst lebendige, freiheitsliebende ...
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Tanz Mai 2011
Rubrik: produktionen, Seite 16
von Angela Reinhardt
...gewann zum zweiten Mal den Preis für Choreografie beim «Internationalen Solo-Tanz-Theater Festival» in Stuttgart. Nach dem Solo «Conductivity» 2009 siegte sie diesmal mit ihrer Arbeit «Grief Point» für Moo Kim, der den ersten Preis für die beste Tanzdarbietung abräumte, weil er sich «auf sehr reichen tänzerischen Ebenen» bewegt. Sidra Bell, deren gleichnamige...
Der Mann fühlt sich sichtlich unwohl. Ein paar durchgeknallte Teenager haben ihn zu ohrenbetäubenden Beats aus seinem Zuschauersessel auf die Bühne gezerrt. Die Jugendlichen sind kreischend im Off verschwunden und haben ihn allein im Rampenlicht stehen lassen. Nun weiß er nicht, wo er sich lassen soll, und tritt unter den mitfühlenden bis hämischen Blicken des...
Weißer Flokati, so weit das Auge reicht. Nach strengen Körperexerzitien dient der Kultteppich der siebziger Jahre als Spielwiese für erotische Räkeleien im Gedenken an die wilden Sechziger. Sehr cool, sehr distanziert sind die acht Tänzer, die Arco Renz in «2069» als Zeitkapselreisende auf das Jahr 1969 ansetzt. Jimi Hendrix pfeift, Psychedelisches von Pink Floyd...
