kunst für kids
Beispiel eins. Vier Breakdancer rücken einer kleinen, eingeschüchterten Tänzerin zu Leibe, die bestrebt ist, ihre lange Initiationsreise unbeschadet zu überstehen. Zwischen schwindelerregenden Sprüngen und lautlos abgefederten Landungen entwickelt sich – unter einfallenden Lichtstrahlen und dem Geprassel von Sound-Effekten – eine wilde, kraftvolle und außerordentlich konzise Choreografie. Jazz-, Contemporary- und Breakdance-Elemente deuten Passagen aus Lewis Carrolls «Alice im Wunderland» und «Alice hinter den Spiegeln» aus.
Scharf kristallisiert sich der Kontrast der Geschlechter und ihres Kampfes heraus: Während der weibliche von den vier männlichen Körpern in atemberaubendem Tempo umzingelt, hin- und hergezerrt, hochgehoben, bedrängt und umhergescheucht wird, spielen sich Alices Abenteuer unter den Augen der Zuschauer in einem Tanz ab, der innere Impulse ausagiert. Vom Streben nach Individualität bis hin zum fieberhaften Befreiungsritual nimmt ein Traum Gestalt an, in dem der Körper alleiniger Sinnträger ist.
Beispiel zwei. «Romeo & Julie». Shakespeares weltberühmte Tragödie wird auf die Begegnung zweier Körper reduziert, deren unterschiedliche Anmutungen sämtliche Schauplätze ...
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Tanz Juli 2014
Rubrik: praxis, Seite 66
von Sergio Lo Gatto
Das «liebe Publikum» kriegt eins auf die Ohren. «Die Musik», so heißt es warnend auf dem Programmzettel, «wird für eine Dauer von ca. vier Minuten sehr laut eingespielt.» Tatsächlich fährt zwischendurch ein schwarzer Boxenturm bis an die Bühnenrampe und lässt das Schauspielhaus für kurze Zeit bis in seine Grundfesten erbeben: ein akustischer Overkill zu Techno...
Der Vater ist nicht ganz neu. So einer saß schon in «Le jardin» von Peeping Tom, 2001, verkörpert von Simon Versnel. Aber das Brüsseler Choreografenpaar Franck Chartier und Gabriela Carrizo rollte noch selber über den Rasen, so ein Fleckchen Grün, das einem spießigen Eigenheim eine eigene Außenwelt verspricht und das Pärchen ins jauchzend-verzweifelte Schleudern...
32 Retro-Projekte werden derzeit mit Hilfe des Tanzfonds Erbe finanziert. Während die einen auf längst von der Tanzgeschichte nobilitierte Kult-Choreografen setzen, etwa Isadora Duncan oder Pina Bausch rekonstruieren, versucht man am finanzklammen Stadttheater Hagen risikofreudig eines der ausgefallensten Comebacks: Dort haben Choreograf Ricardo Fernando und seine...
