Kollektives Vergnügen
Und das zu Weihnachten! «Es schien», so rümpft der Reisende die Nase, «als sei am Heiligabend und unter religiösem Vorwand ein wahres Pandämonium losgelassen worden. Trunkenheit brach sich in Geschrei und bacchanalischen Orgien Bahn. Kein Auge konnte man zudrücken im Lärm dieser abscheulichen und feindseligen Saturnalien. Die Musiker fanden in einer Horde Betrunkener beiderlei Geschlechts ihr Publikum. Die Frauen waren von der billigsten Sorte. Alle tanzten, schrieen und klatschten in die Hände als ritte sie der Teufel.
Ich hatte es mit den Auswüchsen einer sogenannten Mitternachtsmesse zu tun, die in alle nur erdenklichen Stadien der Verkommenheit überging.» Wer ist der Autor dieses indignierten Berichts? Handelt es sich um einen womöglich in die Jahre gekommenen Touristen, der bei der Buchung des vielleicht allzu günstigen Pauschalurlaubs übersehen hat, wie nah sein Hotel an den Ballermann gebaut ist? Wird er von sangriaseligen Jugendlichen um den Schlaf gebracht, die ausgerechnet die Heilige, die Stille Nacht durch eine so lautstarke wie hemmungslose Orgie entweihen? Keineswegs: Diese Zeilen schossen einem namenlosen Engländer bereits im Jahr 1845 in die Feder, fernab der ...
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