kassel: johannes wieland «you will be removed»

Tanz - Logo

Bereits seit der Spielzeit 2006/07 vertritt Johannes Wieland als Tanzdirektor in Kassel ein Tanztheater der älteren Prägung, auch wenn sich seine Choreografien zu einiger Vehemenz und Prägnanz aufraffen können. In geschmeidiger Dramaturgie, die mal Raum für ein ausgedehnteres Solo lässt, mal mit energiegeladenem, vorrückendem Ensemble auftrumpft, sind Wielands Stücke kompakt, vermeiden Durchhänger und setzen in erster Linie auf wuchtigen Tanz und auf Ausführende, die bei erheblichem Körpereinsatz blaue Flecken und Schürfwunden nicht scheuen.

«You will be removed» heißt der neue, 75-minütige Abend in Kassels Schauspielhaus. Ist das eine Drohung? Wielands Tänzer, allesamt Unbehauste, scheinen eingeschlossen. Sie bewegen sich durch ein leeres Schwimmbecken in der Bühne von Momme Röhrbein. An der Rückwand mahnt die Schrift: «Danger Deep End». Es gibt ein paar Plastikstühle, einen trostlosen Zimmerpalmenrest, ein bisschen Krempel wie Eimer, Einkaufswagen, Klamotten; wohnlich geht anders. Aber hier wohnt auch keiner. Wände, Stufen, Geländer sind zum Anrennen, Runterfallen, Hochhangeln da, zwei breite Treppen ins Becken zum Herunterrollen und -plumpsen, wenn auch immer schön langsam.

Der ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle tanz-Artikel online lesen
  • Zugang zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von tanz

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Tanz März 2016
Rubrik: Kalender, Seite 40
von Sylvia Staude

Weitere Beiträge
zürich: alexei ratmansky «schwanensee»

Zürich hat einen neuen «Schwanensee». Und der ist der alte. Alexei Ratmansky hat anhand der Stepanov-Notationen die Fassung von Marius Petipa und Lew Iwanow aus dem Jahr 1895 zu rekonstruieren versucht. Eine immense Arbeit, für die nicht nur das Ballett Zürich und das Junior Ballett Schwäne stellen, sondern auch die Tanzakademie Zürich (tanz 2/16) und die...

highlights

zürich: zürich moves!
72 Stunden dauert diese Performance. Nach den 24 Stunden von Jan Fabres «Mount Olympus» wird es der nächste Tanzkunstrekord sein. Jederzeit ist eine Pause nach eigenem Ermessen möglich, auch für Schlafkojen wird gesorgt, wenn Tino Sehgal sein Publikum als den wahren Adressaten an die Hand nimmt, wenn Ivan Monteiro in einem herrlichen Exotismus...

schwerin: tomasz kajdanski «der widerspenstigen zähmung»

Glück war Dmitri Schostakowitsch bei Stalins Parteiobrigkeit mit seinen drei sowjetischen Balletten nicht beschieden: Alle wurden sie im Zuge der Formalismus-Anwürfe nach 1936 verboten. Hatte «Das goldene Zeitalter» fast zwei Dutzend Reprisen, kam «Der Bolzen» nicht über die Premiere hinaus; «Der helle Bach» wurde von der «Prawda» gar als «Ballett-Betrug»...