Jenseits
Jérôme Bel, der große Intellektuelle unter den Choreografen, findet es traurig, dass es den großen Vorhang nicht mehr gibt. Nicht bei den modernen Stücken. In Paris, «in der Opéra Garnier gibt es noch zwei Vorhänge und jeder von ihnen hat mehrere Bewegungsarten beim Öffnen, das war faszinierend, aber vielleicht auch ein bisschen unnütz», sagt der Meister.
2001 in «Sans titre» choreografierte er am Deutschen Schauspielhaus Hamburg ein ganzes Stück nur für den Vorhang.
Drei Jahre später gab es am selben Ort erneut eine Hommage ans «Augenlid des Theaters», diesmal von Gabriele Brandstetter und Sibylle Peters, zwei Tanzwissenschaftlerinnnen, deren Performance der Wissenschaft das ganze Geheimnis des Theaters enthüllte. Sie entdeckten: Das ganze Geheimnis des Theaters ist der Vorhang.
Wo heute der Vorhang fehlt, wird er ersetzt, bei Forsythe durch Wände, bei Forced Entertainment durch eine Wolldecke, bei der Muppet Show, so Sibylle Peters in ihrem sehr amüsanten Beitrag zu den «Szenen des Vorhangs» ist Kermit der Frosch nur deshalb so grün, weil er, der knallrote Vorhang, sein stechendes Kontrastmittel ist. Öffnet der Frosch seinen samtroten Mund, sieht man aber sofort: Kermit ist ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
- Alle tanz-Artikel online lesen
- Zugang zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von tanz
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Philippe Saire
«Il faut que je m’absente»
Funkelnde Glühbirnen, Strass und Pailletten. Pfennigabsätze, ein Zylinder, falscher Rauch und lange rosa Plüschohren … Auf den ersten Blick liegt der Titel etwas daneben: «Il faut que je m’absente» – «I really have to go now». Was soll das Ich («… je m’absente») in all dem Glamour? Und was soll dieses zögerliche,...
Außerirdische haben die Belegschaft des Jerwood Space gekidnappt. Es ist unheimlich still dort: Die Tür steht offen, niemand steht am Empfang, und die elegante Café-Lounge in Weiß und Chrom zeigt keine Spuren menschlichen Lebens. Neonstreifen in Pink reflektieren im Garten die Reglosigkeit des Wasserspiels und verleihen der Szenerie typische «Akte X»-Qualitäten....
Paola Cantalupo übernahm zur Jahreswende als Nachfolgerin von Monique Loudières die künstlerische und pädagogische Leitung der École Supérieure de danse de Cannes Rosella Hightower und sichert nun den Bestand einer Institution, der einige der namhaftesten Tänzer entstammen. Ihre Ernennung ist kein Zufall und alles andere als eine Notlösung. Auch der monegassische...
