Interview Akram Khan

Nach «Xenos», seinem jüngsten, in Athen uraufgeführten Solo, spricht der Londoner Starchoreograf und Kathaktänzer über den Zusammenhang zwischen Krieg, Fremdenhass, alten Mythen und Brexit

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Akram Khan, das neue Solo «Xenos» heißt übersetzt «Fremder». Wer ist der Fremde?
Ich glaube, im Moment fühlen sich die meisten Menschen als Fremde, fremd im eigenen Staat, entfremdet von ihrer Regierung oder von der ganzen Welt. Es ist ein Symptom, das heute ähnlich grassiert wie vor Beginn des Ersten oder des Zweiten Weltkriegs. Wenn man Fremdenhass heute und Fremdenhass vor hundert Jahren betrachtet, gibt es Parallelen, auch wenn der Krieg nicht länger bei uns stattfindet, sondern in ferne Länder exportiert wird.

Im Ersten Weltkrieg, so lese ich «Xenos», wurden indische Soldaten nach Europa importiert.
Richtig, das ist kaum bekannt. Ich wusste es vorher auch nicht. Erst hundert Jahre nach Ende des Ersten Weltkriegs öffnete die Forschung bis dahin nicht eingesehenes Archivmaterial: 1,5 Millionen indische, auch chinesische und nordafrikanische Soldaten haben für die Briten in Europa gekämpft, Kolonialsoldaten, die in ihrer Heimat Bauern waren oder Arbeiter, und die auf Seiten Großbritanniens ihr Leben ließen. Das steht in keinem Geschichtsbuch. Erst jetzt ist dazu eine Reihe von Artikeln in Zeitungen erschienen. Erst jetzt wurde klar, wie viele Großeltern von Immigranten etwa ...

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Tanz April 2018
Rubrik: Menschen, Seite 18
von Arnd Wesemann

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