Heldenstoff im Fokus
Rudolf Nureyev hat es gesagt: «Auf Technik greift man zurück, wenn einem die Inspiration ausgeht.» Das passt gut zum Portrait eines Tanzrebellen, den Aba Veblen im neuen Prachtband "Nurejew – Bilder eines Lebens" zeichnet.
Der im Henschel-Verlag erschienene, von Pierre-Henri Verlhac herausgegebene und von Vladimir Malakhov eingeleitete Fotoband zeigt vor allem den Lebemann Nureyev: auf einer Gala mit Alain Delon, auf einer Party mit Sharon Stone, beim Tee mit seiner Tanzpartnerin Margot Fonteyn.
Der Tartar als Star steht da stets so ungezwungen heiter rum wie auf Proben oder kurz nach seinen Auftritten.
Er war ein Weltrekordler der Tanzgala, ein Alchimist im Heilkräutergarten der Ballett-Tradition, ein Männerversteher, der jede Partie in die Gewinnzone brachte – das ist der sichtbare, fotografierbare Heldenstoff für Menschen, die gern Menschen auf Fotos anschauen.
In Wahrheit riss Nureyev unermüdlich Mauern zwischen Moderne und Ballett ein, vermittelte zwischen den Medien und der wenig mondänen Klausur im Ballettsaal, bekehrte 5000 Zuschauer am Abend im Pariser Palais du Sport zu Ballettverrückten – aber wie soll man das zeigen?
Er konnte das Ballett vermarkten, ohne es zu ...
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