Fotos: Colours Festival Theaterhaus Stuttgart, RahiRezvani
Grand Finale
Paris ist nicht mehr, was es einmal war: Stadt der Träume, großes Versprechen. Wer mit dem Bus vom Flughafen Charles de Gaulle kommend die Bezirke außerhalb des Autobahnrings durchquert, um über eine der nördlichen Zufahrten wie Porte de la Chapelle ins Zentrum zu gelangen, wird eines Elends ansichtig, das von Jahr zu Jahr verstörendere Ausmaße annimmt. Auf den Verkehrsinseln der Randboulevards türmen sich Kleider, Plastikmüll, ausrangierte Haushaltsgüter wie Töpfe, Bettgestelle oder marode Kühlschränke.
Armut und Verwahrlosung hausen hier, unter freiem Himmel – Menschen, vor allem sehr junge und sehr alte, die offensichtlich keine Chance haben (oder sehen), ein Bein auf den Boden zu bekommen. Entwurzelte, die nicht nur die Wohlstands-Optik beeinträchtigen, sondern auch das Wahlverhalten beeinflussen. Wiewohl Marine Le Pen vorerst den Kürzeren gezogen hat und die befürchtete extremistische Verschiebung der Politachsen ausgeblieben ist: Wer sagt, dass Emmanuel Macron die Grande Nation versöhnen, die traditionell elitären Leistungsträger auf mehr Solidarität und weniger Klassendünkel einschwören, die Abgehängten und sich selbst Abhängenden ankoppeln kann? Die Pariser in den eleganten ...
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Tanz Juli 2017
Rubrik: Produktionen, Seite 22
von Dorion Weickmann
Obwohl Belgien ein kleines Land ist, kann man es nachts sogar aus dem Weltraum erkennen: Die Autobahnen sind beleuchtet, das gibt es sonst nirgends auf der Welt. Zu den Eigenheiten des dicht besiedelten Elf-Millionen-Einwohner-Staats zählt vor allem auch die extrem disparate Bevölkerungsstruktur. Im nördlichen Teil, Flandern, wird flämisch gesprochen; im südlichen...
Absurd viele Rosenkränze trägt sie um beide Unterarme. Sie drückt die Ketten ans Herz, taumelt und schlägt sich selbst. Camille Andriot stürzt auf einen Stuhl zu, als verspräche er Erlösung, und tollt wie befreit darauf herum. Dann richtet sich der verzweifelte Blick gen Himmel, und ihr Leib krümmt sich. Was das Hadern mit Gott und die Drangsal der Kirche mit den...
Spitzenklasse sind sie immer gewesen, die Ailey-Tänzer: technisch stark, physisch muskulös und dramatisch expressiv – egal, was sie gerade tanzten. Unter der Leitung des Choreografen Robert Battle hat sich das Niveau des Repertoires endlich an das der leistungsstarken Tänzer angepasst. Auch wenn das erhebende «Revelations» von 1960 nach wie vor ein Highlight...
