grabesstille, im winter

Fast 50 Jahre lang war George Balanchine eine Art Leuchtturm. Werk und Wirkung sind heute nicht mehr im Einklang, findet Gerhard Brunner.

Tanz - Logo

Knapp 30 Jahre hat es von der Idee, das Grab George Balanchines aufzusuchen, bis zu ihrer Verwirklichung gedauert. Immer wieder fand sich ein Grund, die gute Absicht weiter hinauszuschieben. In der Regel war die Zeit zu knapp, um bei einem Kurzbesuch im Big Apple gleich einen ganzen Tag für diesen Ausflug nach Long Island preiszugeben. Die Jahre gingen dahin, und der Grabbesuch rückte in immer weitere Ferne.

So einfach ist es auch gar nicht, dahin zu kommen.

Wer von Manhattan anreist, braucht zunächst eine knappe Stunde bis zur Station Jamaica, wo man – im Winter sporadisch – Anschluss findet an die Long Island Rail Road. Off season fährt kaum jemand freiwillig nach Long Island, und die geheime Hoffnung, der Grabbesuch könnte sich vielleicht mit einem Spaziergang am Atlantik verbinden lassen, ist pure Ignoranz.

Von Jamaica zuckeln wir durch die Hinterhöfe von Queens bis nach Hicksville. Danach wird die Landschaft anziehender, aber die gerühmte Schönheit Long Islands bleibt bestenfalls Ahnung, zumal Hurrikan «Sandy» – neben anderen Verwüstungen – 230 000 beschädigte, in Reih und Glied geordnete Autos zurückgelassen hat. Long Island ist eine große Deponie. Erst im letzten Drittel der ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle tanz-Artikel online lesen
  • Zugang zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von tanz

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Tanz April 2013
Rubrik: traditionen, Seite 56
von Gerhard Brunner

Weitere Beiträge
persönlich

newcomer_________
christine borch

Die Presse vergaß nicht, mehrfach die Schönheit der drei Tänzerinnen zu betonen, die auf einem runden Präsentierteller lagen, in delikat weiten Blusen, die stöhnten, orgiastisch atmeten und gemeinsam zu einem Höhepunkt kamen. Zur Eröffnung der «Tanztage» in Berlin sah man sie darauf in glücklicher Erschöpfung mit melodischen...

Der direkte Weg zu tanz – Vorschau auf kommende Ausgaben

im mai: le sacre du printemps_____

ist ohne Zweifel das Ballett des 20. Jahrhunderts. Am 29. Mai 1913 im Théâtre des Champs Élysées vorgestellt, ist es nicht etwa deswegen in die Annalen eingegangen, weil die Umstände seiner Uraufführung von allen Beteiligten als ein Skandal empfunden wurden. Strawinskys Musik, seinerzeit nicht unbedingt zur Freude des Komponisten...

medien

bildband_________
uwe scholz

Als sein «Sacre du printemps»-Abend im November 2003 über die Bühne des Leipziger Opernhauses ging, zeigten sich Beobachter alarmiert. So eruptiv hatte Uwe Scholz noch nie choreografiert. Es schien, als wolle der knapp 45-Jährige seine Wunden in einem Befreiungsakt offenbaren. Wenig später war er tot. Mit Scholz ging ein Frühvollendeter...