Goyo Montero: «A Midsummernight’s Dream»
Sein Blick geistert am Rande des Irrsinns, flackert auf und erlischt mit dem Ein und Aus eines Atemzugs. Sechs Hände greifen nach dem Kind, das sich in seine Halsbeuge schmiegt, Stimmen flüstern, locken … «gar schöne Spiele spiel’ ich mit dir». Kein Erbarmen, kein Entrinnen. Der Vater verliert den Sohn an die Dämonen, die im nachtschwarzen Wald ihr Unwesen treiben: Elementargeister, wie sie das Ballett seit dem 19. Jahrhundert bevölkern, zumeist als weibliche Agenten der Zerstörung.
Es ist Nürnbergs Ballettchef Goyo Montero, der Goethes «Erlkönig» in diese Genealogie einreiht – faszinierender Auftakt einer Neuproduktion, die eigentlich einen ganz anderen Klassiker umkreist: William Shakespeares Komödie «A Midsummer Night’s Dream». Doch im Nürnberger Opernhaus geht’s weder heiter noch sardonisch oder gar erotisch zu. Monteros Lesart ist finster, skeptisch, melancholisch bis zuletzt. Ist von Morbidezza beherrscht und jenseits des Lustprinzips verankert. Weshalb auf das Rätsel des «Erlkönig»-Anfangs gleich die nächste enigmatische Szene folgt. Shakespeares Hochzeitsgesellschaft stampft, dampft und krampft in Jordi Roigs dunkelgrauen Renaissance-Monturen vor sich hin, bigotte Society ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
- Alle tanz-Artikel online lesen
- Zugang zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von tanz
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Tanz Februar 2019
Rubrik: Menschen, Seite 26
von Dorion Weickmann
tanz
Zeitschrift für Ballett, Tanz und Performance
Herausgeber
Der Theaterverlag – Friedrich Berlin
Redaktion
Hartmut Regitz, Dorion Weickmann, Arnd Wesemann
Mitarbeit: Sofie Goblirsch, Marc Staudacher
Nestorstraße 8-9, 10709 Berlin
Tel +49 (0)-30-254495-20, Fax -12
redaktion@tanz-zeitschrift.de
www.tanz-zeitschrift.de
Gestaltung & Bildredaktion
Marina Dafova
Anzei...
Lausanne: Swiss Dance Days
Die Schweiz zeigt das «Best-of» ihres zeitgenössischen Tanzschaffens diesjährig unter dem Motto: «La -Suisse n’existe pas!». Der Slogan,1992 geprägt durch den Schweizer Fluxus-Künstler Ben Vautier, betont wohl kaum den nationalistischen, mehr den verspielten Anspruch, den so bekannte Erfolgsproduktionen wie «Fun!» von Lea Moro (tanz...
«Balletttänzer ist ein schwerer Beruf.» Als 17-jähriger Ballettstudent an der Münchner Heinz-Bosl-Stiftung hörte ich diesen Satz das erste Mal und hatte keine Vorstellung davon, was genau damit gemeint war. Dass die körperlichen Anforderungen durchaus beachtlich sein würden, war mir bewusst. Jedoch erschien mir die Zukunft, so ich den Schritt vom Studenten zum...
