Görlitz: Dan Pelleg, Marko E. Weigert «Wunderland – wie nächtliche Schatten»

Tanz - Logo

Sind wir denn alle verrückt? Seung-Hwan Lee windet sich in einer Ecke des Proszeniums, das wie die gepolsterte Zelle einer psychiatrischen Anstalt ausgestaltet ist. Vor der Vorstellung ist der Eiserne Vorhang selbstverständlich geschlossen, aber immer wieder geistern zwei Tänzerinnen «wie nächtliche Schatten» über die Vorderbühne. So jedenfalls lautet der Untertitel des «Tanzstücks» am Gerhart-Hauptmann-Theater, das Dan Pelleg und Marko E.

Weigert zwar «Wunderland» nennen, das aber nicht die Geschichte von «Alice im Wunderland» erzählt, wie die beiden Choreografen der einst in Berlin ansässigen wee dance company ausdrücklich im Programmheft versichern.

Nein, sie erzählen keine Geschichte – und dennoch denkt man sofort an Lewis Carroll, sobald sich im Fußboden eine Luke öffnet und ihr nach und nach all jene entsteigen, die in den anschließenden 80 Minuten zumindest kurzzeitig eine Rolle spielen: die Tänzerin mit einem Ballon, der im weiteren Verlauf als «Grinsekatze» ganz hinten in der Kulisse schweben wird, die Frau mit der langen Schleppe, die man für die abgestreifte Haut einer Raupe halten könnte, der Mann mit dem hohen Zylinder aus weißem Papier, den man später unschwer als ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle tanz-Artikel online lesen
  • Zugang zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von tanz

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Tanz März 2019
Rubrik: Kritik, Seite 38
von Hartmut Regitz

Weitere Beiträge
#Mensch – dritte Klappe

Ich packe zusätzlich noch eine Kniebandage in den Stoffbeutel für das Tanztraining. Die Körperübungen werden immer anstrengender, die Beziehungen zu den Mittänzerinnen immer einfacher. Wir kennen uns schon seit einem halben Jahr. Wir wissen, wer von uns gern über den Boden rollt, bunte Socken trägt oder lieber barfuß tanzt. Eine unserer Zukunftsfragen bei dem...

CD, DVD, Buch 3/19

CD des Monats: Tangos Cubanos

Am ehesten entspricht noch Track Nummer 7 gewohnten Tango-Vorstellungen. Wer den Titel der CD nicht kennt, könnte die «Tangos Cubanos» leicht für «Albumblätter» halten, für «Lieder ohne Worte», für die sich im schmalen Booklet denn auch treffsichere Texte finden. Billy Cowie hat sie geschrieben, ein schottischer Komponist, der nicht...

Bande à part

Die Berliner Tanzszene taucht gern an Orten auf, die der Kulturbetrieb der Stadt sonst nicht im Blick hat. Am «Totentanz-Dienstag», wie er genannt wird, trifft sie sich in dieser von Hannes Heiners stählernen Monsterfiguren beherrschten Uralt-Instanz, dem Künstlerclub Eschschloraque Rümschrümp am Hackeschen Markt-. Hier steht Caroline Gerbeckx hinter dem Tresen....