Frankfurt/Main
«Nichts anfassen, nicht sprechen.» Die Anweisung klingt nach Museum. «Verstecken, wenn es dreimal klingelt.» Das geht entschieden in Richtung Kindergeburtstag. Noch eine Spielregel steht aus: «Im Versteck bleiben bis zum nächsten Signalton.» Schluss mit lustig. Das «Hiding Piece» von Hofmann & Lindholm lässt das Publikum auf engstem Raum im Dunkeln hocken und die Sinne schärfen. Bei jedem läuft ein eigener (Grusel-)Film ab.
Das Versteckspiel mit Kopfkino kam dem Künstlerpaar in den Sinn nach dem Attentat auf die Redaktion der Satirezeitschrift «Charlie Hebdo» in Paris.
Ein Grafiker rettete sein Leben, indem er in einen Schrank unter einem Spülbecken kroch. Dieses Detail gab Hannah Hofmann und Sven Lindholm zu denken. Hier funktionierte ein Ur-Instinkt, den die westliche Welt – so glaubte man – nicht mehr braucht: Schutzsuche, Überlebenstaktik. Nun macht die weltweite Bedrohung durch Krieg, Terrorgefahr und Fremde Angst. Ein Gefühl, dem das Autoren- und Regieduo, beide sind auch Theater- Film- und Hörspielmacher, eine installative Performance widmet. Hofmann & Lindholm choreografieren das Publikum.
Minütlich darf ein Zuschauer rein: Hinter der Eingangstür liegt die große Bühne des ...
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Tanz Dezember 2016
Rubrik: Kalender und Kritik, Seite 40
von Bettina Trouwborst
So möchte man Tanz jetzt immer untermalt haben: mit individuellem Kopfhörer auf den Ohren, der die eigene Geräuschhaftigkeit, vor allem aber die der lästigen Mit-Theaterbesucher ausblendet – titelgemäß: «Nur Ich!» Ein überwältigendes Sounderlebnis von Jörg Ritzenhoff, seit Jahren Hauskomponist der Bonner Kompanie CocoonDance. Über Kopfhörer dringt zunächst...
Kein Blick zurück im Zorn? Das Schlussbild zeigt Adrian J. Wanliss auf der Galerie, weinlaubbekränzt. Und dieser Dionysos lacht. Es ist kein gewöhnliches Lachen, mit dem er sich von seinem Publikum verabschiedet. Es ist ein spöttisches, ein sardonisches Lachen, eins, das einem eigentlich im Halse stecken bleiben sollte.
Es ist neu – wie so manches an dem Tanzfonds...
Chris Salter, Sie waren 1994/95 beteiligt an William Forsythes Ballett «Eidos : Telos», zwei Jahre später an «Sleepers Guts». Damals sprachen Sie, sprachen wir alle von interaktiven Technologien, heute sprechen wir von immersiven Technologien. Was hat sich in diesen 22 Jahren verändert?
Man kann sagen, dass es große technische Fortschritte gab. Betrachtet man...
